Kommentar

Es ist zu heiß zum Ärgern

Archivartikel

Jürgen Gruler freut sich über seine kleine Belohnung

Bei dieser Affenhitze muss man mit seinen Kräften haushalten. Ich habe beschlossen, mich einfach nicht mehr zu ärgern, und wenn es gar zu heiß wird, dann schlüpfe ich aus meinem Körper und tu so, als sei ich gar nicht da.

Wasser braucht man trotzdem! Also lade ich meine leeren Mineralwasserkisten – ich bin altmodisch und trinke grundsätzlich nur aus Glasflaschen mit Pfand – ins Auto und fahre in den Supermarkt ganz in der Nähe unserer Wohnung. Da ist frühmorgens um 8.30 Uhr schon richtig Andrang. Ich schiebe die drei Kästen in den Automaten und warte auch immer schön ab, bis er mir wieder ein grünes Licht zeigt. Dann drücke ich auf den Bon und sehe, es sind nur zwei gebucht. Also reklamieren, aber ruhig bleiben. Das fällt mir leicht, denn erstmal ist da gar niemand am Infoschalter, die Kassiererin ruft jemanden aus. Fünf Minuten später kommt tatsächlich eine junge Dame, ich schildere mein Malheur, sie sagt, sie prüfe das. Bloß gut, dass ich immer die gleiche Sorte kaufe und das jetzt als Anhaltspunkt sagen kann. Die Frau kommt weitere fünf Minuten später zurück und gibt mir einen weiteren Pfandbon.

Also, ab in den Markt und drei Kisten Mineralwasser aufgeladen. Inzwischen stehen an den nur zwei offenen Kassen jeweils acht Kunden vor mir in der Schlange. Ich warte und es geht nur sehr schleppend voran. Doch plötzlich die Erlösung: Ich sehe als Erster, dass da eine neue Kassiererin kommt und Kasse drei öffnet. Schnell rase ich hin und bin die Nummer eins.

Nur noch schnell am System anmelden – es klappt nicht, die junge Frau kommt einfach nicht rein, meint, es dauere noch. Ich bleib ganz ruhig, schließlich will ich ja nicht in die lange Schlange nebenan zurückmüssen. Dann geht es doch, ich reiche eine Flasche aus dem Kasten und sage ihr, dass ich drei Kisten habe und lege ihr die Pfandbons hin.

Mist, beim dritten Kasten gibt sie statt des Kastens nur eine Flasche ein. Storno! Über ihr kleines Brustmikrofon, das leicht an eine Talk-Show erinnert, ruft sie „Frau Stein, bitte Storno.“ Nichts tut sich, mittlerweile stehen auch hinter mir zehn Leute an der Kasse, denn eine andere Kollegin hat inzwischen ihre Kasse zugemacht, geht in die Pause. Nach dem dritten, jetzt etwas hektischer ausfallenden Ausruf, kommt Frau Stein tatsächlich.

Mehrfach wird an dem Storno rumgedoktert, dann noch die Pfandbons eingegeben, ich habe schon den 20 Euro-Schein in der Hand. Dann die Überraschung, ich bekomme 3,01 Euro raus. Die Rechnung erschließt sich mir nicht, aber da ich mich ja weder aufregen noch erklären will, bleib ich ganz ruhig, kauf mir beim Bäcker gegenüber eine Brezel und habe nicht nur 36 Flaschen Mineralwasser im Auto, sondern noch ein kleines Frühstück und 2,31 Euro zusätzlich im Geldbeutel – meine Belohnung dafür, dass ich mich nicht geärgert hab!

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