Kommentar

Grüße aus dem Wald

Gert Häusler über einen deutschen Mythos und dessen Anziehungskraft

M an sagt uns in Deutschland ja ein romantisches Verhältnis zum Wald nach, selbst wenn das Klischee nicht mehr so ganz stimmen mag, wie Raubbau und achtloser Umgang mit der forstlichen Umgebung etwa auch durch Spaziergänger zeigen. In unserem Sprachbewusstsein ist er dennoch tief verankert.

Kürzlich bekamen wir in einer WhatsApp-Gruppe die Nachricht eines Freundes, die mit „Liebe Grüße aus dem Wald“ endete. Er ist vor einiger Zeit aus einem Mittelzentrum der Metropolregion in sein ländliches Anwesen in der tieferen Pfalz umgezogen und seine Grußformel macht „den Wald“ jetzt auf einmal ganz konkret. Je weiter man von den Zentren entfernt ist, umso einsamer und größer – bis sehr groß – können die Anwesen werden. An die Vielzahl der eigenen Bäume grenzen oft weitere Wälder und die Umgebung gleicht mehr und mehr den Märchenbucherinnerungen.

Wie geht es wohl einem auf Dauer, wenn man als lebenslanger Städter länger oder auf eben „immer“ da wohnt? Sieht man „vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr“, wie eine der vielen Redewendungen zum Wald lautet? Oder steht man später vielleicht „im Wald“, weil Einkäufe zu Fuß, der Gang zum Arzt oder der Besuch im Café nicht mehr so einfach möglich sind?

Es ist vielleicht eine Liebeserklärung an Schwetzingen, wenn dabei der Gedanke kommt, dass unsere Stadt – bei allen Unzulänglichkeiten – doch vieles hat, was unser Leben lebenswert macht. Vom kleinen Theater bis zu renommierten Festspielen, über Sportstätten und Genießer-Treffpunkte bis hin zu Versorgungsmöglichkeiten im gesundheitlichen Notfall. Von den nahen Nachbarstädten, mit dem öffentlichen Nahverkehr erreichbar, ganz zu schweigen.

Den Wald haben wir dazu rundum auch noch und nicht zuletzt mit dem Schlossgarten ein Idyll mit großen und kleinen Wegen sowie verwunschenen Ecken. Dies ist zwar alles nicht so intim wie „im Wald“, aber manchmal ist es vielleicht doch schön, statt nur Bäumen auch andere Menschen zu sehen.

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