Kommentar

Ich geb’ sie nicht mehr her

Archivartikel

Andreas Lin erfreut sich gerne an der Lektüre von Speisekarten

Urlaub bietet die Zeit und Gelegenheit, häufiger essen zu gehen als zu Hause. Oft schaut man draußen schon auf die Karte, was denn drinnen im Gasthaus angeboten wird. Ich freue mich dann immer, wenn die Speise- und Getränkekarte schon auf dem Tisch liegt und nicht erst irgendwann kommt. Klar, in besseren Häusern ist es Usus, dass der Ober die Karte bringt und gleichzeitig eine Empfehlung ausspricht, was denn dem Küchenchef heute besonders gelungen ist oder welcher Wein am besten zum Gericht passt.

Aber im Normalfall muss man auf die Karte warten und wählt schließlich aus – im Urlaub kann man sich eigentlich ja auch Zeit dafür lassen. In manchen Lokalen steht der Kellner aber wie ein Presser daneben und drängt einen fast dazu, schnell eine Entscheidung zu treffen und einem die Karte genauso schnell wieder aus den Händen zu reißen.

Doch ich überbrücke die Zeit gern, um in dem kulinarischen Machwerk zu schmökern. Was gibt’s sonst noch? Was habe ich vielleicht übersehen und muss ich beim nächsten Mal unbedingt essen? Was haben die als Nachtisch? Oder an außergewöhnlichen Getränken? Oft machen sich die Gastronomen viel Mühe mit ihren Karten, preisen die Gerichte mit kuriosen Umschreibungen an, kündigen Veranstaltungen und Themenwochen an. Oder sie erzählen die Geschichte des Hauses, der Besitzer oder des Ortes.

Doch zum Lesen bleibt keine Zeit – denn ruckzuck hat sie der Ober wieder, als ob jemand Karten klauen wollte. Ich hab sie jedenfalls dieser Tage nicht mehr hergegeben, bis ich ausgelesen hatte.

 
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