Kommentar

Kirremachen muss nicht sein

Katja Bauroth über Selbstverständnis, Reflexion – und Männer

Wie ist das bei Ihnen: Haben Sie Ihren Mann umgekrempelt, ihm Dinge anerzogen, die er vor der Begegnung mit Ihnen nicht kannte oder getan hat, oder eben vermeintliche Eigenheiten abgewöhnt, die Sie selbst nicht so mochten? Warum machen wir das – warum wollen wir andere Menschen in ein Raster pressen? Nur damit es uns zusagt?

Als ich kürzlich die RTL-Datingshow „Take me out“ gesehen habe, kamen mir diese Fragen. Ich weiß nicht, ob Sie das Fernsehformat kennen: 30 Singlefrauen bekommen Männer präsentiert und dürfen in mehreren Runden entscheiden, ob sie sich mit ihm treffen würden oder nicht. Dafür wird der Mann mit seinem Beruf und seinen Hobbys vorgestellt, danach drücken die Damen einen Buzzer, um per Licht zu signalisieren: Du bist interessant oder nicht. Hat der Mann Glück, kann er am Ende aus mehreren Damen wählen oder zumindest eine bleibt übrig. Manchmal haben sich jedoch alle Frauen gegen ihn entschieden. Und was da für Begründungen kommen, kommentierte ein lieber Freund beim gemeinsamen Fernsehen der Show einmal so: „Da sollst’ ein echter Kerl sein, maskulin, aber verständnisvoll, gut aussehend und muskulös, aber nicht zu körperkultorientiert, du sollst eine romantische Ader haben, kochen und deine Hemden selbst bügeln können, aber kein Weichei sein, du sollst durch Aufmerksamkeit, Gesprächsintelligenz und Verständnis glänzen, aber bitte auch hier und da ein Stück Macho raushängen lassen.“ Was er damit sagen will: Meine Damen und Herren, wir machen die Kerle manchmal echt kirre!

Als nun bei der zurückliegenden Folge von „Take me out“ eine Frau den Bewerber in Runde eins „weggedrückt“ hat und als Begründung meinte: Frisur und Augenbrauen gefallen ihr nicht, eine andere jedoch meinte, dies könne man ja ändern, schwirrten meine Gedanken. Warum nehmen wir Menschen nicht einfach so, wie sie eben sind?

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