Kommentar

Ruhigstellung als Bumerang

Archivartikel

Annika Wagmann findet Smartphones als „Babysitter“ voll daneben

Ich finde es erschreckend, wie gut sich Kinder heutzutage bereits im Grundschulalter mit Smartphones und auch sozialen Netzwerken beschäftigen. Die meisten sind meiner Meinung nach dafür viel zu jung und erkennen noch nicht die Gefahren, die zu hoher Medienkonsum mit sich bringen können. Was ist nur aus den Barbies oder Lego geworden? Die kleinsten Knirpse bevorzugen heute eher das neuste iPhone, weil man zu den Uncoolen gezählt werden würde, wenn man keins besäße.

Doch obwohl er eigentlich noch zu jung ist, um eins zu besitzen, quengelt der Nachwuchs so lange, bis ihm das Smartphone schon fast automatisch in die Hand gedrückt wird, damit er Ruhe gibt. Wie einfach das doch heutzutage geht. Aber mal im Ernst: Wohin soll das führen?

Denkt ihr etwa, so frühe Erfahrung mit Smartphones würde sich positiv auf das heranwachsende Kind auswirken? Nicht nur, dass es jetzt schon im Grundschulalter beginnt – immer öfter lässt sich beobachten, wie es die Kleinen schon im Kinderwagen ihren Eltern gleichtun. Viele Erwachsene machen es sich da zu einfach, finde ich. Natürlich ist das stressfreier: Endlich in Ruhe einkaufen, wenn man mit Kindern unterwegs ist. Sind sich die Leute überhaupt bewusst, was sie ihrem Kind da antun oder ist es ihnen einfach nur egal? Sollte sich der Nachwuchs tatsächlich mal in einer Situation langweilen, in der selbst die erfahrensten Eltern nicht mehr weiterwissen, kann ausnahmsweise zum schlauen Telefon gegriffen werden, aber als Dauerlösung für jedes Problem sollte es doch bitte nicht dienen – und als tägliche Freizeitbeschäftigung schon gleich gar nicht.

Es gibt genug Studien und wissenschaftliche Belege, die zeigen, dass ein derartiger Handykonsum in den jüngsten Jahren zu Problemen in der Schule, Hyperaktivität, Konzentrationsproblemen und Einschlafproblemen führen kann. Damit wird genau das Gegenteil vom „Ruhigstellen“ erreicht. Da lass ich doch mein Kind später lieber mit Lego spielen und Bilderbücher schauen. Zum Anfassen, wie in der richtigen Welt und nicht digital auf einem kleinen, grell leuchtenden Bildschirm, der Kinderaugen schon im frühen Alter schädigt.

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