Kommentar

So ein veganes Lustutensil

Katja Bauroth über einen jungen Kassierer und ein Gemüse

Abends im Supermarkt. Es ist gut was los. Der junge Kassierer, schätzungsweise Mitte 20, arbeitet konzentriert und zügig. Ich bin dran. Er zieht die Waren rasch über den Scanner. Dann stutzt er bei dem langen weißen Ding. Er dreht es hin und her. „Muss das nicht gewogen werden?“, fragt er mich. Nein, Stückpreis. Er nickt, blickt auf das mohrrübenähnliche Exemplar und dann zu mir: „Entschuldigen Sie, dass ist mir jetzt peinlich, dass ich Sie das fragen muss: Aber was bitte ist das?“ Ich muss – innerlich wohlgemerkt – grinsen. Was sage ich dem armen Kerl jetzt? Eine Tofuwurst, die an einem Ende schon etwas grünen Auswuchs hat? Eine holländische ausgebleichte Salatgurke von der Angebotstheke? Oder ein veganes Lustutensil für die aufgeschlossene Frau ab 40? Ich bin natürlich bei der Wahrheit geblieben und habe ihm erklärt, dass dies ein Rettich aus der Gemüseabteilung sei, bio, in der Region angebaut. Den angeschrieben Preis habe ich ihm gleich mit genannt. Er war glücklich. Und ich verwundert.

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