Kommentar

Unsicherheiten vorangetrieben

Archivartikel

Katja Bauroth versteht verärgerte Unternehmer und plädiert für Hilfen

Die Verordnungen rund um Corona und die Zeitpunkte, zu denen sie herausgegeben werden, sind nur schwer nachzuvollziehen – und schüren Unverständnis, Neid und Missgunst. Da müssen Blumengeschäfte, Bekleidungs- und Buchläden sowie Kosmetikstudios schließen, Frisöre jedoch können geöffnet bleiben, ebenso Teile der Gastronomie unter Auflagen. Und gerade dorthin zieht es Menschen, die in der warmen Frühlingssonne sitzen wollen, wenn auch nicht so viele wie sonst. Auch die sogenannten Risikogruppen. Alle oder keiner – warum stellt sich die Frage nicht?

Nur um eins klarzustellen: Auch in meinen Augen hat die Gesundheit jedes Einzelnen Vorrang! Und auch in unserem Betrieb – unsere Zeitung ist auch eine GmbH und kein Wohlfahrtsunternehmen – blutet uns das wirtschaftliche Herz. Doch diese tröpfchenartigen Verordnungen erfüllen ihren Sinn nicht. Im Gegenteil: Sie stiften Verwirrung, sorgen für Unmut. Betroffene Unternehmer sind zu Recht angefressen. Dabei brauchen gerade sie – wir alle! – einen Kompass und eine klare Richtung durch die stürmische Zeit.

Nur ein Beispiel: Über den Einzelhandelsverband Nordbaden kam am späten Dienstagnachmittag die Empfehlung, die Geschäfte am Donnerstag zu schließen. Das hat auch das Stadtmarketing aufgenommen und so hat es auch unsere Zeitung geschrieben. Nur das, was der Einzelhandelsverband da verlautbart hat, spielt in dem Fall keine Rolle. Um 22 Uhr ordnete die Stadt dann die von der Landesregierung angewiesene und zwingende Schließung der Geschäfte für Mittwoch an – geltendes Recht für alle Bürger. Dieser Hinweis erreichte aber weder die Redaktion an diesem Abend, noch alle betroffenen Händler in der Stadt. Etliche haben diese Verordnung auch nicht gleich am Mittwochmorgen gesehen, öffneten ihre Türen, um vor dem „Shutdown“ noch Kunden zu bedienen, und wurden schließlich auf unschöne Art und Weise vom Ordnungsdienst samt Strafandrohungen überrumpelt. Nervenkrieg in Krisenzeiten – das braucht doch nun wirklich keiner!

Die wirtschaftlichen Folgen von Corona zwingen Betriebe in die Knie und ruinieren Existenzen. „Warum darf der geöffnet haben, wir aber müssen schließen?“ Das ist eine Frage, die uns bei unseren Umfragen immer wieder begegnet und für die sich auch die Stadt als vom Land beauftragtes und ausführendes Organ immer wieder rechtfertigen muss. Betroffenen kommt das ungerecht und unverantwortlich vor – und genau das ist gefährlich und untergräbt den so wichtigen Zusammenhalt. Und was ist nach dem „magischen Datum“ 19. April?

Der Handelsverband Baden-Württemberg bezeichnete die Informationspolitik der Landesregierung zu Recht als Desaster und forderte dringend ein Sofort-Hilfe-Programm nach bayerischem Modell, wo zwischen 5000 und 30 000 Euro vom Land zur Verfügung gestellt werden. Letztlich ist die Landesregierung für die Schließungen verantwortlich und sollte hier den Gewerbetreibenden entgegenkommen. Kreditmodelle sind hier zu schwach.

Die Stadt Speyer beispielsweise hat reagiert und als Soforthilfemaßnahme die Aussetzung von Mietforderungen für gewerblich genutzte, städtische Immobilien sowie die zinslose Stundung von städtischen Steuerforderungen beschlossen. Gut gemacht!

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