Kommentar

Völlerei der Superlative

Archivartikel

Caspar Oesterreich über die andere Esskultur in den USA

Denkt man an die USA, kommen einem ganz unterschiedliche Bilder in den Kopf: Von einem schimpfenden und pöbelnden Präsidenten, der scheinbar schon jedes politische Tabu gebrochen zu haben scheint, großen wie lauten Pick-up-Trucks und SUVs auf sechsspurigen Highways oder von Neonröhren taghell erleuchteten Nachthimmeln. Sie alle stehen für eines: exzessive Superlative.

Die findet auch beim Essen keinen Halt, verbindet man doch mit dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten nicht nur Supermärkte und Restaurants, die an sieben Tagen in der Woche rund um die Uhr geöffnet haben. Die riesigen Hamburger, die vor Fett und Kalorien nur so triefen, müssen selbstverständlich literweise mit Cola heruntergespült werden – kein Problem, denn einmal bestellt, wird immer wieder nachgefüllt – und zwar kostenlos.

Dabei weist die Esssenskultur doch für den deutschen Touristen manche Hürden auf. Der Amerikaner will – oder muss – bei der Tischauswahl an die Hand genommen werden: Am Eingang muss man auf den Kellner warten, der einen bei belanglosem Small Talk zum Ort der Völlerei führt und dabei alles „awesome“ und „great“ findet, was man so von sich gibt. Kein Wunder, wird doch ein Trinkgeld zwischen 15 und 25 Prozent erwartet.

Dann stehen die Entscheidungen aus: Wie soll der Burger gebraten sein? Welches der mindestens vier unterschiedlichen Brötchen sollen das Fleisch und die Vitaminbeilage – Tomaten, Salat, Gurke und Zwiebel werden übrigens fast immer zum eigenen Zusammenlegen lieblos neben dem Burger platziert – umrahmen? Käse und Speck dazu?

Der Gang ins Restaurant muss allerdings gut geplant sein. Es kommt nicht selten vor, dass sich am Eingang Schlangen bilden und mit Wartezeiten zu rechnen ist. Und auch stimmt die Vorstellung nicht, dass die Völlerei rund um die Uhr zu haben ist. Denn oft ist mit dem großen Fressen um 22 Uhr Schluss, ab 21.30 Uhr werden keine Bestellungen mehr aufgenommen.

Selbst am Flughafen der Hauptstadt Washington D.C., wenn man hungrig auf den Anschlussflug warten muss.

 
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