Kommentar

Was ist denn Green Shooting?

Archivartikel

Gert Häusler über unsere Verantwortung für die Umwelt

Sehen Sie mir die englische Überschrift nach, die Erklärung kommt gleich. Als ich nämlich letzte Woche eine Einladung für mein Komparsen-Hobby zu Tatort-Dreharbeiten in Baden-Baden erhielt, folgte kurz darauf eine zweite Mail der Agentur mit einem Hinweis des Senders SWR: „Initiative Green Shooting. Es geht um ein verantwortungsvolles, zukunftsweisendes, ökologisch nachhaltiges szenisches Produzieren. Der SWR verfolgt dieses Ziel nachdrücklich, und wir haben unseren Tatort ,Odenthal’ als Pilotprojekt ausgewählt, um gemeinsam grundlegende Erfahrungen zu sammeln und die Basis für nachhaltiges Produzieren im SWR zu schaffen.“

Dies und die erbetenen Verhaltensweisen am Filmset führten dazu, mich intensiver mit dem Thema des weltweiten Mülls zu beschäftigen. Es ist eine lange verdrängte Geisel der Menschheit und insbesondere beim Plastikmüll gibt es noch nicht abzusehende Folgen für unser weltweites Ökosytem und unsere Nahrungskette. Im Fernsehen werden verstörende Bilder gezeigt, die Dimensionen sind gewaltig. Im Pazifik schwimmt eine Müllinsel, die größer ist als der zweitbevölkerungsreichste Staat der Welt, Indien. Unvorstellbare 3,4 Millionen Quadratkilometer – Umweltorganisationen sprechen vom siebten Kontinent – werden von einem riesigen Wirbel zusammengehalten.

Laut Bundesumweltamt sind es weltweit bis zu 140 Millionen Tonnen Abfall, die so in den Meeren treiben. Als Plastik-Mikroüberreste oftmals in 30 Metern Tiefe als „Suppe“, noch tiefer auf Grund liegend oder an die Strände treibend. Aber solange die Gefahr weit weg ist, wollen sie viele nicht wahrhaben. Auch dass weltweit Müll (von Deutschland jährlich bis zu 560 000 Tonnen Plastik), nach China exportiert wurde, war ja kaum bekannt. Seit dem 1. Januar 2018 hat China seine „Weltmüllkippe“ geschlossen. Der Plastikmüll wird uns kurz oder lang näherkommen, an beliebten Urlaubsständen anlanden, Schifffahrtslinien tangieren und die Fischerei erschweren, deren Fang dann zusätzlich noch mit Mikroplastik belastet ist und damit in unserem Essen landet.

Es ist sicher ein kleiner Anfang, wenn bei den Dreharbeiten neben einer strikten Mülltrennung jeder, angefangen bei Ulrike Folkerts, seinen Trinkbecher für Wasser und Kaffee an den Set mitbringt und ihn an Wasserspendern und Kaffeekannen füllt. Angestrebt werden so statt bisher 139 Tonnen CO2, 80 Tonnen und damit 40 Prozent der Emissionen einzusparen. Ein von der Filmförderung installierter CO2-Rechner misst den Erfolg der Aktion.

Die Bedrohungen für unsere (Um-)Welt werden nicht von selbst kleiner und mögen auch ein Ignorant im Weißen Haus und manch andere mit unterschiedlichen Interessen, all diese Gefahren ins Reich der Fake News verbannen wollen.

Wir sollten alles dafür tun, dass die Hoffnung auf eine Wende in der Umweltbelastung nicht sterben muss. Die billige Ausrede, dass kleine Aktionen eh nichts nutzen, darf kein Hinderungsgrund sein, im Alltag die Verschwendung von Plastik einzudämmen. Schön, wenn gerade auch mit den Kreativen von Film- und Fernsehen ein gutes persönliches Beispiel gegeben wird.

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