Kommentar

Wissen Sie, wo es langgeht?

Archivartikel

Gert Häusler über Menschen, Apps und das Gesteuertwerden

Wenn man vor Navigationsgeräte- oder Google-Maps-Zeiten einmal nicht weiterkam, hat man einfach Menschen gefragt. Garantierter Jackpot waren dabei Taxifahrer, Briefträger oder Polizisten. Die beschrieben dann den Weg sachkundig und ohne Umweg und oftmals kannten sie auch das eigentliche Ziel. Hat man heute mal sein Smartphone vergessen und braucht eine Auskunft, sind manche Taxifahrer selbst mit Navi nicht mehr ortskundig und Briefträger sowie Polizisten durch häufige Versetzungen oder Neueinteilungen der Zustellbezirke keine sichere Bank mehr.

Bei Passanten sind Auskünfte sowieso Glücksspiele. Es gibt die gutwilligen, die – erkennbar unwissend – unbedingt helfen wollen, aber doch mehr für Verwirrung sorgen. Dann kommen diejenigen, die mit „überhaupt keine Zeit“ eiligst davongehen. In Tankstellen bilden sich manchmal kleine „Auskunftsgruppen“, die hin und her vermuten und diskutieren. Bis dann doch einer sein Smartphone zückt und die Adresse aufruft.

Auch die gute alte Landkarte können immer weniger Menschen richtig lesen. Gelegentlich ertappt man sich selbst, wenn auf die Frage, wie man denn hergefahren sei, die eigene Antwort lautet „Weiß ich nicht, ich bin dem Navi gefolgt“. Man mag es beklagen oder selbstverständlich finden, im normalen Alltag führt eben an vielen Apps einfach kein Weg mehr vorbei.

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