Leserbrief

Gemeinderat Bibliothek hatte „Heiß auf Lesen“ toll organisiert

Absurdistan für Kinder in Neulußheim

Die Bücherei Neulußheim hat sehr erfolgreich die Aktion „Heiß auf Lesen“ angeboten. 88 Kinder haben auf Anhieb mit Spaß und Herzblut teilgenommen. Die von der Bücherei wieder geplante Durchführung der Aktion verursacht 50 zusätzliche Arbeitsstunden. Kostenpunkt: geschätzte 1000 Euro. Deshalb hat der Bürgermeister nun die Teilnahme untersagt. Offensichtlich ist das aber auch der SPD und den WfN für unsere Kinder zu viel.

Weil der Bürgermeister nun den Antrag der FWV nicht auf die Tagesordnung genommen hat und man sich in der regulären Gemeinderatssitzung wegen formaler Dinge nicht einigen konnte, wird eine Extrasitzung des Gemeinderates stattfinden. Kostenpunkt: 720 Euro Sitzungsgelder plus Arbeitsstunden der Verwaltung. Für Fraktionssitzungen können nochmals 720 Euro hinzukommen, zusammen 1440 Euro. Zulasten des Steuerzahlers. Das ist absurd. Nun könnte man das als Provinzposse abtun, wenn es nicht so traurig wäre. Fragen sich die Akteure mal, ob es normal ist, rund 1500 Euro Steuergelder aufzuwenden, um über 1000 Euro zu entscheiden?

In der gleichen Sitzung hat der Rat in wenigen Minuten zirka zwei Millionen Euro für Auftragsvergaben für die neue Halle abgesegnet. Viel länger wurde über 1000 Euro ausgiebig und ohne Ergebnis gestritten. Liegt das daran, dass man diesen Betrag besser überblicken kann?

Fazit: Es kann nicht ums Geld gehen. 1000 Euro (und selbst wenn es ein paar Euro mehr sein sollten) kann die Gemeinde bei einem 14-Millionen-Haushalt aus der berühmten Portokasse bezahlen. Offensichtlich werden alte Rechnungen auf dem Rücken der Kinder ausgetragen. Denn unbestritten ist, dass die Förderung der Lesekompetenz ein wesentlicher Baustein für eine bessere Bildung ist.

Und das wird zwar gerne zitiert, aber – wie man sieht – nicht immer umgesetzt. Man muss erkennen, dass zwischen Worten und Taten doch immense Lücken klaffen. Mag sein, dass das in Deutschland kein Einzelfall ist. Neulußheim ist wahrscheinlich überall – aber hoffentlich nicht überall so absurd.

Margitta + Michael Kuppinger,

Neulußheim

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