Leserbrief

Sanierung der Zirkelsäle Behutsamkeit wäre hier angebracht

Alessandro Galli da Bibiena – aber nicht wie in Las Vegas

Wer in diesen Tagen im Schwetzinger Schlosspark am nördlichen Zirkelbau entlang geht, kann verschiedene Farbmuster betrachten, welche auf Teilabschnitten der gesamten Höhe der Sandsteinfassade und den historischen raumhohen Fenstern angebracht wurden. Sie dienen offensichtlich zur Begutachtung von Varianten einer anstehenden Baumaßnahme und bilden die Grundlage für eine Entscheidung zur Renovierung.

Diese Arbeiten an der 270-jährigen Bausubstanz stellen, so wie sie sich in den Mustern zeigen, gravierende Eingriffe in ein überragendes Baudenkmal der Kurpfalz dar. Sie sind gravierend, weil sie, zumal im Umgang mit den Oberflächen des Buntsandsteins ein Konzept zeigen, welches so nie bestand und später auch nicht mehr rückgängig zu machen ist. Ein bauliches Juwel dieser Kategorie bedarf eines demütigeren Umgangs mit seiner Substanz. Es geht nicht darum, in Las Vegas eine Replik von Schwetzingen zu errichten, die noch viel schöner ist als das Original.

Durch die neue Fassung von Flächen, welche nie Farbträger waren, erhält die Gestalt der Gartenfront eine so nie beabsichtigte Proportion und verliert das den Sandsteinflächen eigene Spiel der natürlichen geologischen Variationen und die beabsichtigte Wirkung des Sonnenlichts auf den Profilen.

Das Staatliche Hochbauamt wäre gut beraten, inne zu halten und von „Modernisierungen“, die dem Denkmal nicht gerecht werden sowie von ahistorischem Face-Lifting Abstand zu nehmen.

Der geniale Alessandro Galli da Bibiena und sein Kurfürst hätten Besseres verdient.

Rolf W. Winkler, Weinheim

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