Leserbrief

Zeit der Einschränkung Fast wie im Dornröschenschlaf

Alles muss wachgeküsst werden

Es gibt nicht mehr sehr viele Menschen, die sich noch an den letzten Krieg, sein Ende und die Zeit danach erinnern können. Ich gehöre dazu. Wenn ich die heutige Krisenzeit mit der damaligen vergleiche, dann ist die heutige Situation weitaus erträglicher. Damals war es viel schlimmer: Die Männer waren gefallen oder in Gefangenschaft, die Mütter mit ihren Kindern alleine, oft waren sie ausgebombt, das heißt, ohne alles, es gab nur Trümmer, alles war vernichtet, keine Aussicht auf Arbeit und Verdienst, beengteste Wohnverhältnisse bei fremden Leuten, oft heimatlos, nur Hunger.

Wo bekomme ich etwas zu essen? Die Lage war hoffnungslos! Dagegen leben die meisten heute in der Corona-Krise ohne wirkliche Not. Natürlich trifft es die Menschen unterschiedlich hart, aber es geht nur um den Verzicht lieb gewonnener Gewohnheiten. Und das Ende ist abzusehen, wann auch immer.

Wenn alle vernünftig bleiben, dann wird sich die Krise zwar noch länger hinziehen, aber wir bleiben am Leben. Es ist noch alles da, die Fabriken, die Geschäfte, die Lokale und Hotels, nur zur Zeit eben außer Betrieb. Das ist wie im Märchen von Dornröschen, in dem alles in einen hundertjährigen Schlaf fiel, aus dem alles erst erwachte, als der junge Königssohn das schlafende Mädchen küsste. Im gleichen Moment wachte alles wieder auf, so als ob nichts gewesen wäre.

Nun, es wird keine hundert Jahre dauern, aber doch eine gewisse Zeit, bis alles bei und und in der Welt wieder in Schwung kommt. Und es wird seine Nachwirkungen haben, aber es wird wieder weitergehen, wie auch damals nach dem letzten Krieg. Es ist ja noch alles da, es muss nur wieder wachgeküsst werden.

Werner Wohlfahrt, Plankstadt

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