Leserbrief

Geothermie in Brühl Die Risiken sind einfach zu groß

Am besten das Bohrloch zuschütten

Zum Artikel vom 31. Juli über die Aktualität der Geothermie in Brühl und Umgebung erreicht uns folgende Zuschrift: Zunächst erscheint die Idee bestechend, Erdwärme zur Energieversorgung zu nutzen. So dachten auch wir anfangs. Nach einer näheren Beschäftigung mit dem Thema stellten wir fest, dass in dieser Energiegewinnung erhebliche Risiken für die Bevölkerung und für den Boden und die Natur enthalten sind.

Hier eine Auswahl der Nachteile:

1. Der Wirkungsgrad der geothermischen Anlagen ist zweifelhaft (Bilanz der benötigten und der gewonnenen Energie).

2. Gefahr von unkontrolliertem Austritt von Dämpfen (Radongas, Cox unter anderem) bei bestimmten Zuständen der Anlage. Hier in Brühl wäre das besonders problematisch, da eine Schule und ein Sportpark in unmittelbarer Nähe liegen.

3. Das Auftreten von unkontrollierten Schwingungen, Rissbildungen, Entstehung von Hohlräumen und Ähnliches, die nach Erfahrungen bei bereits bestehenden Geothermieanlagen sich in Erdbeben entladen können und dadurch zu Schäden an Gebäuden und besonders an der nahegelegenen Kläranlage des Zweckverbands zwischen Brühl und Ketsch führen könnten.

Beispiele für entsprechende unvorhergesehene Erdbewegungen gibt es einige: Landau, Staufen, Basel, Straßburg oder St. Gallen. Das Argument, die Bedingungen dort seien jeweils andere, zählt für uns nicht. Denn niemand hat mit diesen Ereignissen dort gerechnet und niemand weiß, wie sich der Boden hier auf Dauer verhalten wird.

4. Gefährdung des Grundwassers durch Fracking, auch wenn es nicht so benannt wird.

5. Ein eventuell Geschädigter hat zudem die Beweislast bei einem Schadensfall. Die private Gebäudeversicherung zahlt nicht. Der Nachweis eines Schadens, verursacht durch eine Geothermieanlage, ist für einen Bürger kaum möglich (er muss Geldmittel für Gutachten aufbringen). Der Betreiber wird höchstwahrscheinlich versuchen, eventuelle Schäden auf natürliche seismische Aktivitäten in der Rheinebene zurückzuführen.

Dieses Schreiben kann nur anreißen, dass die Geothermie keine hilfreiche Technologie für den dicht besiedelten Oberrheingraben und besonders für Brühl sein kann.

Uns scheint, die Grünen im Gemeinderat Brühl überschätzen die Möglichkeiten der Energiegewinnung durch Geothermie bei Weitem und blenden die Gefahren dieser Technik gerne aus. Geothermie stellt sich oberflächlich betrachtet auch wunderbar „grün“ dar. Wir haben den Eindruck, man möchte ein „grün“ aussehendes Projekt – aus welchen Gründen auch immer – unbedingt durchsetzen, ohne sich wirklich mit den möglicherweise zu erwartenden negativen Konsequenzen ernsthaft auseinanderzusetzen.

Wir meinen weiter, dass ein Bürgermeister einer Gemeinde nicht nur die Aufgabe hat, die Gemeinde nach Recht und Gesetz zu verwalten, sondern auch verpflichtet ist, Schaden von den Bürgern fernzuhalten.

In diesem Sinn bleibt aus unserer Sicht nur eines: Das Bohrloch zuschütten.

Helga Bernick-Corbet und

Axel Bernick, Brühl

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