Leserbrief

Kiesabbau im „Entenpfuhl“ Den Klimawandel ernst nehmen und sich selbst damit beschäftigen

Angst ums Trinkwasser

Über die Berichterstattung in der Schwetzinger Zeitung bin ich auf die Kiesabbaupläne im Waldgebiet „Entenpfuhl“ aufmerksam geworden. Mich beunruhigen diese Pläne sehr, auch mit Blick auf die Zukunft meiner Kinder! Ich mache mir Sorgen um den Verlust von Tier- und Pflanzenarten sowie den Verlust von Wald als Naherholungsgebiet und zur Klimaregulierung. Vor allem habe ich Angst davor, welche Auswirkungen die Pläne auf unsere mittel- bis langfristige Trinkwasserversorgung haben könnten.

Nicht wenige Menschen beteiligen sich an der Klimawandeldiskussion nur auf der Basis von „Hörensagen“ oder gelesenen Schlagzeilen und wiederholen unreflektiert die Argumente, die sie aufgeschnappt haben. Ich war schon immer ein sehr daten- und faktenorientierter Mensch. Daher versuche ich nun seit neun Monaten, mir umfangreich ein eigenes, faktenbasiertes Bild bezüglich des Klimawandels zu machen.

Ich schaue mir dabei sowohl auffällige, lokale Einzelereignisse wie Hitzewellen, Waldbrände, Eisschmelzen, Stürme und Überflutungen als auch Statistiken, Trends und wissenschaftliche Abhandlungen an. Ich folge über Social Media verschiedenen Klimaforschern und Politikern und recherchiere im Netz nach Berichterstattungen. Bei Extremwetterereignissen nutze ich auch diverse Wetter-Apps, um Berichte zu überprüfen. Ich prüfe auch, welchen Wahrheitsgehalt die Beispiele und Statistiken haben, die die Klimawandelleugner anführen, um gegebenenfalls meine Sicht zu korrigieren. Leider muss ich nach neun Monaten intensiver Recherche sagen (fast täglich), dass sich der Klimawandel für mich als sehr reales und potenziell für uns alle existenzbedrohendes Risiko darstellt, das dringend adressiert werden muss.

Mir ist in den letzten Wochen und Monaten aber leider auch klar geworden, dass für viele Menschen der Klimawandel noch sehr weit weg erscheint, sowohl zeitlich als auch räumlich. Das war bei mir genauso! Wenn man sich nicht aktiv mit dem Thema auseinandersetzt, nimmt man ihn als abstraktes beispielsweise aus politischen Interessen hochgespieltes Problem wahr. Außerdem bekommt man das Gefühl, irgendwelche ökologische Besserwisser wollen einem das Leben und den Wohlstand über die Androhung von Verboten und Steuern madig machen. Dann gibt es da noch die „Klimagören“ von „Fridays for Future“, inspiriert von Greta Thunberg, die freitags die Schule schwänzen. Ich weiß, dass ich mit meiner Meinung niemanden überzeugen kann. Ich möchte aber jeden, insbesondere jeden, der Kinder und Enkel hat, oder gute Freunde und Verwandte mit Kindern und Enkeln, ermuntern, selbst zu recherchieren, um sich ein eigenes Bild zu machen!

Die Satellitenbilder und Statistiken von Nasa, Esa, Noaa, NSIDC, Pik, Awi, Geomar, WMO, IPCC, UFZ und einige mehr (alle Kürzel lassen sich leicht im Internet finden) machen einen leider auch nicht entspannter. Die Eismassen und Gletscher nehmen kontinuierlich ab (zum Beispiel die Meereisausdehnung in der Arktis oder der Thwaites-Gletscher in der West-Antarktis), wodurch es weniger weiße Fläche gibt, die Licht zurückreflektiert (Albedo-Effekt). Der Meeresspiegel steigt (laut Nasa aktuell 3,3 Millimeter pro Jahr und laut NSIDC sechs Meter, wenn das Grönlandeis schmölze, und 60 Meter, wenn die Antarktis eisfrei würde).

Temperaturrekorde fallen am laufenden Band, als wäre unser Klima wie ein Sportler „gedopt“ (dieses Jahr mit 42,6 Grad Celsius in Lingen in Deutschland und 45,9 Grad Celsius in Gallargues-le-Montueux in Frankreich), Permafrostböden schmelzen und zersetzen sich und die Konzentrationen der Treibhausgase CO2 und Methan nehmen zu.

Nun kann man sich fragen, was das alles mit Schwetzingen und vor allem mit dem „Entenpfuhl“ zu tun hat. Indien, Grönland, Alaska, Sibirien, Brasilien – um nur einige zu nennen – sind alle weit weg und warmes, sonniges Badewetter im Sommer ist doch etwas tolles. Auch hier musste ich mich selbst erst über Videos und Artikel informieren, was Begriffe wie Jetstream, Rossby-Wellen und Omega-Wetterlagen bedeuten und was die zum Beispiel mit den Temperaturen in der Arktis zu tun haben, die sich schneller erwärmt als viele andere Regionen auf der Erde. Wenn man sich aber die Mühe macht, stellt man (leider) sehr schnell fest, dass die Arktis doch sehr viel näher ist als man denkt!

Im eigenen Garten sehen die Bäume im zweiten Jahr in Folge sehr trocken und traurig aus! Ich hatte in den vergangenen Wochen häufiger darüber gelesen, wie sehr der Wald an vielen Orten unter der Trockenheit und den sich stark vermehrenden Borkenkäfern leidet, was sich mit dem Bild des Dürremonitors des Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) deckt.

Wenn man nun realisiert, dass global die Temperaturen steigen und Extremwettersituationen mit langanhaltenden Hitzewellen und Trockenperioden zunehmen. Man wahrnimmt, dass vielerorts der Wald unter der anhaltenden Trockenheit leidet und stirbt. Und man noch wie in diesem Sommer liest, dass in einigen Orten Deutschlands wie in Löhne und Bad Oeynhausen während der Hitzewellen Wasserknappheit entstand, so fängt man an, sich ernsthafte Sorgen um die Erhaltung des Waldes und die langfristige Sicherung der Trinkwasserversorgung zu machen, auch wenn aktuell das Trinkwasser unbegrenzt aus dem Wasserhahn zu sprudeln scheint.

Laut Entfernungsmessung per Google Maps ist der „Entenpfuhl“ gerade mal einen bis 1,5 Kilometer Luftlinie von unserem Wasserwerk entfernt. Laut meinen Infos soll der Kies bis in eine Tiefe von 35 Metern abgebaut werden. Ich selbst bin kein Geologe und stoße hier mit meinen Recherchemöglichkeiten auch an Grenzen. Aber Diskussionen wie zum Beispiel in Vogt im Kreis Ravensburg zeigen mir, dass meine Sorge um unser Trinkwasser nicht unbegründet zu sein scheint. Erwin Tenhumberg, Schwetzingen

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