Leserbrief

Flüchtlinge Unsere Leser beschäftigt der Zustrom und die Art, wie die Politiker darauf reagieren, auf ganz unterschiedliche Weise

Asyl und Meinungsfreiheit im Grundgesetz

Vergangenen Samstag rief das Deutsche Rote Kreuz zu einer Sachspendenaktion auf dem Hockenheimer Wochenmarkt auf - die Resonanz war überwältigend! Mehrere Fahrzeuge des DRK waren im Pendelverkehr unterwegs, um die Spenden abzutransportieren. Es kamen Familien, Ehepaare, Rentner, um ihre Spenden abzugeben. Im Gespräch war immer wieder zu erfahren, wie wichtig und gut dieses Engagement für die Flüchtlinge ist.

Ich habe mich ebenfalls als Helfer beteiligt und kam so ins Gespräch mit einer alten Dame, welche mir berichtete, dass sie von 630 Euro Rente leben muss, aber es ihr ein Bedürfnis ist, hier Dinge zu spenden. Sie meinte, wenn Menschen ohne alles hier ankommen, muss ihnen geholfen werden. Auf meine Entgegnung; sie bekomme ja auch nicht viel zum Leben, meinte sie: "Ja, das stimmt, aber da können ja die Flüchtlinge nichts dafür."

Viele der Leserbriefe der letzten Wochen dagegen, sprechen da eine andere Sprache. Da werden Flüchtlinge für so ziemlich alles verantwortlich gemacht, was dem einen oder anderen in unserem Land nicht passt. Es werden Dinge als Tatsachen präsentiert, aber immer bleibt man einen Beweis schuldig. Es werden bewusst falsche Sachverhalte unterstellt oder bewusst nur zum Teil weitergegeben. Es werden Ängste geschürt, denn dann wird einem ja fast alles geglaubt.

Ich möchte an dieser Stelle beispielhaft zwei Nachrichtenüberschriften aus der letzten Woche nennen: "Deutsches Handwerk begrüßt Flüchtlinge" und "Renten werden stark steigen". Wie passen solche Meldungen in die Wahrnehmung der Angstschreiber? Immer wieder werden vermeintliche Straftaten durch Ausländer angeführt, welche sich nachweislich als nicht existent herausstellen? Damit geht nicht einher, dass Ausländer keine Straftaten verüben. Es wird suggeriert, das Flüchtlinge in Saus und Braus hier leben können und nebenan der arme deutsche Rentner in der Wohnung verhungert.

Nebenbei sei angemerkt, dass die Brandstiftung in Wohnunterkünften den Steuerzahler richtig Geld kosten, aber beispielsweise Auszahlungen an Flüchtlinge 100 Prozent wieder in Deutschland ausgegeben werden. Dieses Jahr wurden bereits 500 rechtsradikale Angriffe auf Asylheime gezählt. Exemplarisch war der Leserbrief von Winfried Bock am letzten Samstag. Da wird über ein Reservat für Deutsche, Ausländer-ghettos und einen drohenden Bürgerkrieg schwadroniert. Auch das Thema Presse wurde nicht außer Acht gelassen. Aus dem Kopp-Verlag wurde anscheinend der Bestseller "Asylindustrie" von Udo Ulfkotte gelesen. Alles was die einschlägigen Verlage und die Literatur zum Angstmachen hergeben.

Neu war der Ansatz, doch Geld in ärmere Länder zu geben, um Flüchtlinge von der Reise nach Deutschland abzuhalten. Hatten nicht Schreiber wie Herr Bock, sich schon früher echauffiert, warum unser sauer verdientes deutsches Geld nicht den deutschen sozial Schwachen zugute kommt und stattdessen ins Ausland fließt? Jetzt wäre er anscheinend bereit, Geld zu zahlen, um Fremde aus unserem Land herauszuhalten. So schnell können sich Ansichten ändern.

Aber wissen Sie was? Ich finde das gut, dass Sie so etwas schreiben und auch als Leserbrief publizieren können! Das meine ich ehrlich und ohne jegliche Ironie. Denn dafür haben wir unser Grundgesetz, welches dies ermöglicht und davon bin ich ein echter Fan. Denn dieses Grundgesetz bildet die Grundlage unseres hohen Lebensstandards. Daran hat sich jeder zu halten: Ich, Sie, Flüchtlinge! Auch wenn opportunistische und rückwärtsgewandte Politiker, je nach emotionaler Tageslage, es immer wieder mal gern ändern würden (um auf Stimmenfang zu gehen). Das Grundgesetz macht unseren Staat zu dem was er ist.

Es werden in der Zukunft viele Herausforderungen auf unsere Gesellschaft warten. Es wird auch immer wieder Rückschläge geben, aus denen wir lernen müssen. Aber ich werde alles dafür tun, dass man weiterhin in Freiheit leben, denken und sich äußern kann! Daher kann ich die einfache Weltsicht mancher Schreiber hier nicht nachvollziehen. Es stimmt, das Leben mit unserem Grundgesetz ist nicht ganz einfach. Man muss sich damit beschäftigen. So banale Dinge wie "Auge um Auge" oder ähnliches stehen da nicht drin. Es ist auch nicht aus einer christlichen Grundsicht entstanden, auch wenn manche Schreiberin das immer wieder gerne behauptet. Das Grundgesetz fordert jeden immer wieder aufs neue auf, das Tagesgeschehen damit in Einklang zu setzen. Das kann schon schwierig und anstrengend sein, so dass wohl der ein oder andere hier überfordert ist und lieber einfache Ansichten bevorzugt.

Ein Beispiel hierfür sind die Bilder aus Ostdeutschland, die uns täglich erreichen. Dort kommen viele (auch aus dem Westen) zusammen und meinen, so kann das nicht weitergehen und man werde schon sehen, was man davon habe. Es werde irgendwann "knallen" (Bürgerkrieg?) und dann haben wir eine andere Staatsform. Also konkret betrachtet, wollen hier Menschen, welche teilweise ihre erste Hälfte des Lebens in einer Diktatur lebten, gerne wieder eine? Wahrscheinlich wird gedacht, das es sich dann bequemer und einfacher lebt. Man muss oder darf dann nicht mehr selbstständig denken. Alleine die politische Ausrichtung soll auf die andere Seite wechseln.

Ja, ja, es verlangt einem einiges ab, unser Grundgesetz. Zum Beispiel die ethischen und moralischen Inhalte, welche darin enthalten sind. Interessanterweise kümmern die aber viele gar nicht, wenn es darum geht diese Ansätze im täglichen Leben zu praktizieren oder anderen diese auch zuzugestehen und ab einem Zeitpunkt, wenn diese Geld kosten. Eine unschöne Entwicklung ist hier das Wort Gutmensch. Es sollte sich jeder mal die Frage stellen, was das für eine Gesellschaft ist, in der das Wort guter Mensch als Schimpfwort dient!? Bestimmt keine christlich abendländische.

Es ist wichtig, dass Bürger ihre Befürchtungen äußern. Dass man fragt: Wie können wir das schaffen? Können wir das schaffen? Wer kommt da alles? Warum nehmen andere europäische Länder nur so wenige Flüchtlinge auf? Man muss die Fragen beantworten. Aber es ist nicht in Ordnung, Menschen zu diffamieren und (auch körperlich) anzugreifen, Dinge zu unterstellen und zu versuchen, diese nachzuvollziehende Unsicherheit und Angst in Teilen der Bevölkerung für seine politische Ausrichtung auszunutzen!

Zum Abschluss noch etwas zum Nachdenken. Der iranischstämmige Reporter Michel Abdollahi hat für die ARD-Themwoche Heimat einen Beitrag gemacht, in dem er einen Monat in einem Dorf in Mecklenburg-Vorpommern gelebt hat. Dieses Dorf ist für seine äußerst rechte Bevölkerung bekannt. Er kam mit einigen seiner Bewohner ins Gespräch. Einer davon ist Sven Krüger, ein Aktivist der rechten Szene. Im Gespräch bekam Krüger die Frage gestellt, was geschehen würde wenn in seinem Ort eine Flüchtlingsunterkunft gebaut würde und er mit Flüchtlingsfamilien konfrontiert würde? Er meinte: "Das Problem ist das, wenn man sie wirklich kennenlernt, kann man sie nicht wirklich hassen!" Der Beitrag kann über Panorama.de (Lügenpresse?) im Internet angeschaut werden.

Oliver Grein, Hockenheim

Merkel "werkelt" weiter

Als Konsequenz des Werkelns an der Flüchtlingspolitik verliert Angela Merkel die Zustimmung der Bevölkerung, sowie aus den eigenen Parteireihen - und letztendlich in Umfragen Prozentpunkte. Jedoch ist die Bundeskanzlerin alternativlos. Was hat die Bundesrepublik für Politiker, dass Merkel ohne Zweifel alternativlos ist? Politiker lassen sich bei der Gesetzgebung von Lobbyisten beraten, wie Gesetze auszusehen haben und was sie beinhalten sollen. Lobbyisten sind Saboteure vernünftiger Gesetzesvorhaben zu ihren eigenen Gunsten. Warum haben Lobbyisten so viel Macht? Weil man sie ihnen gibt und sie gewähren lässt?! Gibt es Überlegungen wie man die Macht der Lobbyisten beschneiden könnte?

Aber nicht nur der genannte Punkt mit den Lobbyisten bereitet mir Kopfzerbrechen, auch die derzeitige Lage im Umgang mit der Flüchtlingsfrage lässt zu wünschen übrig. Merkel sagte: "Wir schaffen das!" Was, wenn die Flüchtlingspolitik von Angela Merkel uns schafft? Ist Flüchtlingspolitik in ihrer aktuellen Form ein beschönigender Begriff für ein "Flüchtlingswirrwarr"?

Dann drücke ich der CDU/CSU bei der nächsten Bundestagswahl ganz feste die Daumen, dass sie so viele Stimmen bekommt, wie sie braucht, um eine starke, konstruktive Oppositionsarbeit leisten zu können.

Martin Englmeier, Brühl

Alles nur Science-Fiction ?

Wir schreiben das Jahr 2020. Nichts ist, wie es einmal war. Wehmütig erinnern wir uns an die gute alte Zeit, die im Sommer 2015 endete. Wir hatten die Deutsche Einheit gestemmt und Krisenländer mit mehreren Krediten unterstützt. Für uns war es ja selbstverständlich, dass wir immer für andere arbeiten mussten. Doch dann kam die Flüchtlingskrise. Diese Millionen von Einwanderern konnten wir auf Dauer nicht versorgen. Um die Menschen nicht zu verunsichern, wurde uns vorgegaukelt, dass wir die Zuwanderer bräuchten, um die Renten für zukünftige Generationen zu sichern.

Nicht nur die Sprachbarriere, sondern auch berufliche Qualifikationen in einem Land, in dem Arbeits- und Sicherheitsvorschriften Buchbände füllen, wurden unterschätzt. Leider kamen mit den Hilfsbedürftigen auch einige Kriminelle mit ins Land,was die Lage nicht besser machte. Dann im Jahre 2016 begann die Wirtschaftskrise. Auch die Angelegenheit mit diesem Autokonzern hatte man ursprünglich zu sehr unterschätzt. Die Politiker schoben sich gegenseitig die Schuld zu, um sich anschließend in den unverdienten Ruhestand zu verabschieden.

Über Aussagen wie "Wir schaffen das", oder "Die Rente ist sicher" macht sich niemand mehr lustig. All dies ist nun Geschichte. Zuwanderer kommen schon lange nicht mehr nach Deutschland. Wer will schon in einem Land leben, in dem man froh ist, wenn man mit seinem Verdienst seinen Lebensunterhalt bestreiten kann. Der Gang zum Arzt kostet Geld und von Rentenbezügen anno 2015 kann man nur noch träumen.

Was wirklich schmerzt, ist die Frage unserer Kinder, die wir auch damals unseren Eltern gestellt haben: Warum habt ihr das nur zugelassen? Aber vielleicht ist das alles nur Science-Fiction!

Werner Fröschlin, Reilingen

Alles nur Gesundbeterei

Das Geschwätz der Kanzlerin ist Rückenwind der Rechtsextremen. Das Geschwätz des Finanzministers glaubt er selbst nicht. Gesundbeterei hilft nicht.

Wohin treibt die Bundesrepublik? (Karl Jaspers) Peter Michael Mähn, Schwetzingen

Im Namen der Pressefreiheit

Liebe Frau Merkel, liebe Frau Roth, und und und . . . haben Sie Kinder und Enkel? Ich glaube, Sie würden verantwortungsvoller agieren, wenn Sie die Ängste und Zukunftsprobleme Ihrer Lieben bei Ihren Entscheidungen und Reden berücksichtigen würden. Die Bürger meiner Generation und auch anderer, haben Probleme, Ihrer Philosophie zu folgen. Glauben Sie nicht, dass das Grundgesetz überarbeitet gehört und den heutigen Anforderungen angepasst werden sollte?

Was mir überhaupt nicht passt, ist, die in die rechte Ecke stellende Methode, wenn einer nicht Ihrer Meinung ist. Die Galgengeschichte bei der Pegida-Demonstration ist mehr als heftig, jedoch muss ich mich fragen, warum dann gleich der eventuell ferngesteuerte Staatsanwalt in den Ring steigt, wenn bei Umzügen in der Narrenzeit wesentlich obszönere Wagenmotive straffrei durchgehen!

Was hat man den Seehofer in der Presse und der Regierungsriege hergenommen. Jetzt hat man festgestellt, dass der Mann weiter über den Tellerrand geblickt hat, als alle anderen. Nur, wie bügeln wir das wieder glatt? Mit langsamen Schritten in seine Richtung (wegen des Gesichtsverlustes, versteht sich)! Wenn die Gewalt vom Volke ausgeht, wundere ich mich, dass eine Hand voll Gewählter gegen die Meinung des Volkes regieren darf? Warum werden Leute verunglimpft und als Stammtischredner heruntergemacht? Die Realität ist, dass die Stammtischler den heutigen Zustand schon längst vorhergesehen haben, die Pseudo-Politiker leider nicht!

Dieter Hanselmann, Plankstadt

Vom Hohen Ross steigen

Unsere Idee war es nicht - weitere Flüchtlinge zu holen, hieß es in der Zeitung diese Woche. Jetzt wird der Schwetzinger Oberbürgermeister Dr. René Pöltl endlich von höheren Mächten vor die Realität des Elends, des Leides und der Armut überall in unserer Welt gestellt.

Ob er wohl jetzt von seinem hohen Ross in die Tatsachen unseres Wohlstandes hinab zu steigen gedenkt?

Hans Odoj, Schwetzingen

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