Leserbrief

Agrarwirtschaft Die Folienlandschaften sind nicht gerade schön

Bei den Landwirten liegen Nerven blank

Zum Artikel „Wir Landwirte machen das Essen“ in der Ausgabe Ausgabe vom 7. Februar) wird uns geschrieben: Als ich den Artikel über die Ansichten von Helmut Kief las, musste ich auf den Kalender schauen. Aber nein, es war nicht der 1. April und somit kein Aprilscherz. Ach, jetzt fällt es mir ein, es ist Fasnacht und der Artikel ist eine Büttenrede des Autors, der aus Versehen in der Zeitung veröffentlicht wurde.

War das aber nicht der Fall, dann kann ich nur sagen: „Herr vergib’ ihm, denn er weiß nicht, was er tut oder sagt und schreibt.“

Ich glaube, dass zur Zeit bei einigen Landwirten die Nerven etwas blank liegen, nach dem Lesen des Artikels war das auch bei mir der Fall. Zu den einzelnen Fakten möchte ich folgendes sagen.

Punkt 1: Den schulschwänzenden öko-instrumentalisierten Halbwüchsigen fehlt es im Gegensatz zum besagten Schreiber nicht am gesunden Menschenverstand, sie wissen genau, was sie tun und weshalb sie es tun. Die „Fridays for Future“-Demos in Hockenheim, Schwetzingen und anderen Orten fanden jeweils um 13 Uhr nach Schulschluss statt, also nichts da von wegen Schulschwänzen. Ich hoffe, dass die jungen Leute dazu Stellung nehmen und sich nicht einfach alles gefallen lassen.

Punkt 2: Das absolute Highlight des Artikels: „Ohne die Landwirtschaft wäre die Natur ein hässlicher Wildwuchs und keine Bundesgartenschau!“ Liebe Leser, ich verkneife es mir, dazu ein böses Wort zu benutzen, Sie können sich selbst eins aussuchen.

Machen Sie sich einmal die Mühe, im Frühjahr und Sommer durch unsere wunderbare – von der Landwirtschaft geprägte Landschaft – zu wandern, um die herrlichen zig Hektar großen mit Folie überspannten Felder zu bewundern, oder um sich bei einer Autofahrt links und rechts entlang kilometerlanger Felder nur am Mais oder Raps zu ergötzen. Dem Einzigen, dem so etwas gefällt, ist der Landwirt.

Punkt 3: Landwirte ernähren die Welt. Da muss ich Helmut Kief Recht geben, er tut das aber nicht aus Mitleid, um uns vor dem Verhungern zu retten, sondern aus wirtschaftlichen und unternehmerischen Gründen.

Zum Thema Ernährung ist noch folgendes zu sagen. Was bauen unsere Landwirte für unsere Ernährung an? Raps, Mais und andere Produkte, die hauptsächlich für industrielle Zwecke verwendet werden und nicht für unsere Ernährung. Getreide, früher gedacht für unser täglich Brot (es darf auch ein Stückchen Kuchen sein), wird nicht komplett für das Essen verwendet, sondern ein großer Teil wandert in die Biogasanlagen. Was für eine Verschwendung von Nahrungsmitteln.

Nein, ich habe sie nicht vergessen, unsere heißgeliebte „Karotte“, zurzeit eines der lukrativsten Erzeugnisse für unsere Landwirte. Viele ärgern sich, wenn nach der Ernte „nicht Verwertbares“ untergepflügt wird, da trägt aber der Verbraucher eine Mitschuld. Viel schlimmer ist dabei der immense Wasserverbrauch. Tag für Tag wird reines Grundwasser mit Dünger und giftigen Spitzmitteln angereichert und gelangt so wieder ins Grundwasser.

Die Folge ist, Böden werden übernutzt und Natur wird zerstört. Unsere nachfolgenden Generationen werden darunter zu leiden haben. Zur Wiedergutmachung erschafft man Blühstreifen, die zwar gut aussehen, aber für Insekten durch das Ausbringen von Insektiziden zur Todesfalle werden. Zu diesem Thema und anderen Missständen hat Günther Martin ja schon am 11. Januar in ihrer Zeitung ausführlich geschrieben.

Zum Schluss noch eines: Vor einiger Zeit wurde beim TV-Sender Arte ein Bericht gezeigt, wobei es bei einem französischen Landwirt durch das Einatmen von Pestiziden und Insektiziden zu einer zeitweisen Gedächtnisstörung geführt hatte. Sollten gewisse Gifte auch hier eine Störung hervorgerufen haben, kann man Sie für ihren Beitrag nicht verantwortlich machen und ich möchte mich für die etwas harten Worte meiner Seite entschuldigen.

Erhard Gentner, Altlußheim

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