Leserbrief

OB-Wahl in Hockenheim Zupacken können beide Kandidaten / Deutliches Signal setzen

Beschämende Beteiligung

Betrachtet man die Zahl 48,66 neutral, wertfrei und ohne inhaltlichen Bezug, dann lässt sich daran natürlich nichts Negatives festmachen. Bringt man sie aber in den Kontext zur OB-Wahl in Hockenheim und schaut sich hier die Wahlbeteiligung an, dann muss man schon feststellen, dass die 48,66 einen äußerst negativen Touch bekommt, denn diese Zahl dokumentiert genau die Prozentpunkte der abgegebenen Stimmen bei der OB-Wahl erster Akt.

Dass von über 16 000 Wahlberechtigten nicht einmal jeder Zweite sein Wahlrecht nutzte, ist traurig und beschämend für eine große Kreisstadt und zeugt natürlich auch nicht gerade von einem ausgeprägten Demokratieverständnis. Wenn man sich vor Augen führt, welcher Andrang bei der im Vorfeld veranstalteten Kandidatenpräsentation noch herrschte, hätte man vermuten können, dass die Wahlbeteiligung alle Rahmen nach oben hin sprengen könnte. Doch weit gefehlt. Offenbar interessiert sich ein Großteil der Hockenheimer Bürger nicht für die künftigen Belange ihrer Stadt, was schwer nachzuvollziehen ist und traurig stimmt.

Dieses Ergebnis zeigt aber auch, wie wenig Respekt den engagierten OB-Kandidaten entgegengebracht wurde, denn deren Einsatz in den vergangenen Wochen war bemerkenswert, auch weil der gegenseitige Respekt gegenüber den Mitbewerbern sehr präsent war, was in derzeitigen politischen Auseinandersetzungen selten geworden ist.

Hoffentlich überdenken viele der bisherigen Nichtwähler ihr Wahlverhalten und sorgen bei der Neuwahl am 21. Juli mit ihrer Stimme für ein klares und deutliches Signal, denn der künftige OB soll und muss ja schließlich alle Hockenheimer Bürger vertreten und auch dem Anspruch gerecht werden, Hockenheim, in sicherlich schwierigen Zeiten, dennoch in stabiles und zukunftsorientiertes Fahrwasser zu lenken. Das kann er aber nur mit einer stabilen Mehrheit leisten.

Wir haben die Wahl und sollten sie auch nutzen, denn nur so hat Demokratie auch künftig gute Perspektiven. Gerhard Kiermeier, Hockenheim

Wähler sollten selbst entscheiden

Zum Leserbrief „Nett sein, oder zupacken können?“ vom 5. Juli wird uns geschrieben: Ich bin maßlos erstaunt, dass Thorsten Völlmer von der CDU einen Leserbrief mit solchem Inhalt direkt neben dem Artikel von Marcus Zeitler „Ich muss das Amt nicht erst erlernen“ veröffentlicht bekommen hat. Es stellt sich mir die Frage: War das Teil einer Kampagne? Mir ist klar, dass man zu diesem Amt als Oberbürgermeister Kenntnisse in der Verwaltung benötigt. Diese sehe ich bei den Kandidaten als gegeben an (beruflicher Werdegang). Marcus Zeitler hat die Ausbildung zum mittleren Verwaltungsdienst absolviert und ist durch dieses Wahlamt an seine Stelle gekommen. Marco Germann hingegen hat Verwaltung sogar studiert und arbeitet bei der Polizei im Führungsstab.

Oberbürgermeister (OB) ist kein Ausbildungsberuf, sondern ein Erfahrungsberuf. Marcus Zeitler hat ja viele Jahre als Türsteher im Schwimmbadclub in Heidelberg gearbeitet. Marco Germann steht seit 25 Jahren für Recht und Ordnung ein. Auch ein Bürgermeister Zeitler muss noch lernen, denn eine Verwaltung der großen Kreisstadt Hockenheim lässt sich nicht mit einer 4000-Seelen-Gemeinde vergleichen.

„Bleiben Sie fair, Thorsten Völlmer und hören Sie auf mit dieser unterschwelligen Beeinflussung“ oder den an den Haaren herbeigezogenen Vergleichen: „Beauftragen Sie einen Malermeister, wenn sie einen Wasserhahn reparieren wollen?“

Mir sind persönlich „nette Menschen“ lieber. Und zupacken können sie beide, davon bin ich überzeugt. Jeder auf seine Art.

Weiter würde ich mir von den zurückgetretenen Kandidaten wünschen, dass keine Wahlempfehlung ausgesprochen wird. Bleiben Sie fair und lassen Sie Ihre Wähler selbst entscheiden.

Claudia Rapp, Hockenheim

Anmerkung der Redaktion: Auch ein anderer Leser hat uns telefonisch kritisiert, dass der Leserbrief auf der Lokalseite platziert war. Wir hatten angekündigt, dass Leserbriefe zur Wahl bereits am Freitag veröffentlicht werden. Und aus einem Brief lässt sich eben keine eigene Seite machen. Die Veröffentlichung am Freitag hat presserechtliche Gründe. Denn falls eine ehrrührende Behauptung aufgestellt werden würde, muss der Betroffene tags drauf die Chance haben, zu reagieren. Auch kommende Woche werden wir wieder Leserbriefe zur OB-Wahl in der Freitagsausgabe veröffentlichen. Sie müssen uns bis Donnerstag, 19. Juli, um 12 Uhr per E-Mail unter sz-redaktion@schwetzinger-zeitung.de erreichen.

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