Leserbrief

Thesen vom FDP-Chef Sind Kosten von knapp 800 Milliarden Euro nur ein Konjunkturprogramm?

Bleiben Sie am Ball – Lindner!

Lieber Herr Lindner, in einem Interview haben Sie den Nagel auf den Kopf getroffen! Die Schüler sollten lieber am Unterricht teilnehmen, denn sie hätten wenig Ahnung vom Thema Klimaschutz. Jawohl, Realitätssinn ist gefragt. Von Kindern und Jugendlichen kann man nicht erwarten, dass sie bereits alle globalen Zusammenhänge, das technisch Sinnvolle und das ökonomisch Machbare sehen. Das ist eine Sache für Profis.

Vor allem der ökonomische Zusammenhang geht diesen selbst ernannten Klimarettern völlig ab. Die wissen ja gar nicht, wovon sie da reden. Woher auch in dem Alter? Die Grünschnäbel haben selber noch keinen Finger krumm gemacht. Klimaschutz, so wie die sich das vorstellen, heißt nämlich Arbeitsplätze von Morgen zu verhindern, wenn nicht gar zu vernichten! Auf den ersten Blick sind die angesprochenen Zusammenhänge nicht erkennbar, aber wenn man nicht in die Schule geht, dann lernt man es auch nicht. Also jetzt erst einmal die Grundlagen und Fakten.

Laut Deutschem Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) werden vom Klimawandel die Land- und Forstwirtschaft besonders betroffen sein, wo es aufgrund von Trockenheit und Wassermangel zu Ernteausfällen in Höhe von insgesamt 3 Milliarden Euro bis 2050 kommen könnte. Durch Überflutungen und Hochwasser ist zusätzlich mit Immobilien- und Infrastrukturschäden von 10 Milliarden Euro zu rechnen. Dazu kämen Kosten für die Anpassung an den Klimawandel (etwa die Umstellung auf andere Anbaumethoden), deren Höhe für diesen Sektor auf das Doppelte der Klimaschäden geschätzt wird. Für den Tourismussektor werden für den Zeitraum bis 2050 die Kosten (ausbleibender Schnee in Wintersportregionen) auf 19 Milliarden Euro eingeschätzt, Anpassungskosten (für alternative Tourismusangebote) auf 11 Milliarden. Im Gesundheitssektor – verursacht durch das Auftreten von Krankheiten, die bisher in subtropischen Ländern vorkommen, rechnet man mit 37 Milliarden , Vorsorgemaßnahmen in Form von Anpassungen weitere 24 Milliarden Euro. Alles in allem könnten sich die Kosten bis 2050 auf knapp 800 Milliarden Euro belaufen.

Jetzt meinen diese Besserwisser auf ihren Plakaten, dass man all das verhindern solle. Doch das Gegenteil ist richtig, wenn sie nicht arbeitslos bleiben oder werden wollen! All diese Schäden müssen, wenn sie denn entstehen, beseitigt oder deren Kosten finanziert werden. Von allein werden sich die Schäden aber nicht beseitigen, sondern von Menschen, die arbeiten. Die Klimaschäden sind also für künftige Arbeitsplätze ein Segen – über einen nicht absehbaren Zeitraum! Wollen die das allen Ernstes verhindern? Die Finanzierung der Gesamtschadensummen wäre ein Dauerkonjunkturprogramm für Banken, Versicherungen, Bauindustrie und Immobilienwirtschaft – auf Jahre und Jahrzehnte! Da habe ich Sie doch richtig verstanden?

Man darf es ja nicht laut sagen, aber Klimaschäden in diesem Umfang wären schon so etwas ähnliches wie ein Krieg, oder? Aber ab und zu muss einfach einer sein – ökonomisch betrachtet natürlich. Hätte es etwa ein Wirtschaftswunder in den Fünfzigern ohne den Krieg gegeben? Na eben! Und hier ist es ja nur die Natur. Und die versteht von Wirtschaft noch weniger als die frechen Balgen. Bleiben Sie am Ball, Lindner! Ich zähle auf Sie!

Rudolf Berger, Hockenheim

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