Leserbrief

Industrieproduktion heute Man sollte sich keine Illusionen machen / Die Welt ist größer als Deutschland und Europa

Bleiben Sie geschmeidig . . .

Wer hätte vor 50 Jahren gedacht, dass Carl Benz’ Erfindung bei uns mal derart für Konfliktstoff sorgen würde, dass sogar Aktivisten meinen, sich an diesen Vehikeln abreagieren zu dürfen? Leute, noch in diesem Jahrzehnt wird die Erdbevölkerung wohl die Acht-Milliarden-Grenze knacken. Diese Menschen leben überwiegend in Städten bis hin zu Megacitys von über 40 Millionen Einwohnern. Und wer mal in Kairo war, weiß, dass dies gleichbedeutend mit einem Megastau ist.

Chongqing in China – die flächenmäßig größte Stadt der Welt – ist übrigens so groß wie ganz Österreich. Unsere Erde erfährt durch die Spezies Mensch eine bisher nie da gewesene Ausbeutung, denn schließlich müssen diese Massen ja versorgt werden. Zu Land, per Luft vor allem aber mit dem Schiff erreichen uns die Waren aus aller Herren Länder. So beliefern täglich etwa 100 000 Containerschiffe die 60 größten Seehäfen dieser Welt, darunter die Nummer eins Shanghai mit einer Umschlagskapazität von rund 43 Millionen Containern im Jahr. Hamburg auf Platz 19 bringt es auf etwas über acht Millionen Container jährlich.

Neben den klassischen Industrieprodukten befindet sich neuerdings auch sehr viel Lithium für E-Autos darunter. Und natürlich auch unzählige Agrarprodukte.

Ein aufmerksamer Blick in die Wochenprospekte lässt den Wahnwitz dieser Welt erkennen: Wein aus Australien, Knoblauch aus China, Rindersteaks aus Südamerika von Rinderweiden, wo einst Urwald die Landschaft prägte, ebenso Avocados, deren Anbau dort zu ähnlich massiven Grundwasserproblemen führt, wie die Förderung von Lithium.

Die größten Containerschiffe übertreffen mit über 400 Metern Länge längst schon die größten atomgetriebenen Flugzeugträger. Die US-Navy hat zwölf davon und zwei weitere werden bald hinzukommen.

Neben dem Träger selbst gehören bis zu 20 Begleitschiffe zu einem Kampfverband, um beispielsweise strategischen Interessen, wie der Versorgung von Gütern, Nachdruck zu verleihen: „America first.“

Ich denke, es übersteigt unser Vorstellungsvermögen, was allein die eben beschriebenen Beispiele an Ressourcen verbrauchen. Übrigens verbraucht das Internet, in dem sich auch viele „Weltromantiker“ in sozialen Netzwerken die Welt schön malen, mehr Strom als Deutschland und Kanada zusammen.

Handel und Kommunikation ist aber das Rückgrat unserer globalisierten Welt und ein Zurück, wie es sich manche Träumer oder Ewiggestrige wünschen, wird es nicht geben.

Verteilungskämpfe bleiben nicht aus, da das Warenangebot von Mutter Natur begrenzt ist, was ja leider besonders den armen Ländern zu schaffen macht, wo man von einer Urlaubsplanung wie bei uns nur träumen kann.

Ja, die Welt ist nicht gerecht. Seien wir uns aber darüber im Klaren, dass wir etwas erwarten, was die Natur in ihrem Konzept so nicht vorgesehen hat.

Deshalb mein Tipp: „Bleiben Sie geschmeidig.“

Herbert Semsch, Brühl

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