Leserbrief

Energiepolitik Es kann sich zum Bumerang entwickeln

Das Ende ist leider nicht aufzuhalten

Zum Leserbrief "Die Energiewende ist nicht aufzuhalten" von Prof. Dr. Maximilian Fichtner in der SZ vom 28. Februar wird uns geschrieben: Das Hauptproblem von "Weltrettern" und sonstigen Genies war schon oft die Tatsache, dass sie entweder ihrer Zeit weit voraus, oder gern auf ihrem Weg den dritten Schritt vor dem ersten versucht haben, und dann meist nur Spott geerntet haben.

Ähnliche Symptome sind auch bei der laufenden Energiewende zu erkennen. Was offensichtlich für das Ende des fossilen Zeitalters einleuchtend und notwendig zu sein scheint, kann sich, wenn es zu früh, und vor allem im Alleingang gegen den Rest der Welt erfolgt, als Bumerang erweisen. Statt im ersten Schritt den Erneuerbaren Energien ihr Hauptmakel der Unzuverlässigkeit zu nehmen, indem man bezahlbare Möglichkeiten der Speicherung großer Strommengen (TWh) schafft, baut man als erstes gigantische alternative Erzeugungskapazitäten auf, welche durch ihre wetterbedingte Diskontinuität das vorhandene Versorgungssystem ins Chaos stürzen und mittelfristig die Versorgungssicherheit zum Einsturz bringen werden.

Die parallel dazu verbreiteten ideologischen Weisheiten helfen uns erst recht keinen Deut weiter. In diese Richtung gehen auch Beiträge zu den Energiekosten, wie sie von einem Verfahrenstechniker aus Erlangen (Prof. Karl) in die Welt posaunt werden und die erkennen lassen, dass mit einseitig technischem Blickwinkel keine gescheiten ökonomischen Aussagen zu erwarten sind. Wenn sich nun "ein Professor aus Oftersheim" auf diese windigen Aussagen stützt, und dabei ständig von "erneuerbarem Strom" schwärmt, welchen es leider bis heute nicht gibt, kann man nur hoffen, dass er mit seiner Batterieentwicklung etwas mehr Glück hat.

Herr Fichtner arbeitet - und das ist lobenswert - an der Entwicklung von Hochleistungsbatterien, und darum ist es nicht verwunderlich, dass er an der Fortführung dieser "Energiewende" sehr interessiert ist, da diese geradezu eine Voraussetzung für die staatliche finanzielle Förderung seiner Arbeiten ist. Wie Herr Fichtner zu den merkwürdigen Kostenrelationen kommt, weiß er selbst am besten. Es ist beispielsweise bekannt, dass KKW-Strom zu weniger als 2 ct/kWh erzeugt wird, wogegen allein die Einspeisevergütung für Wind- und Sonnenstrom ein Zehnfaches beträgt; wie kann dann KKW-Strom 70 Prozent teurer als jener sein?

Obwohl inzwischen bei uns so viele Wind- und Sonnenstromanlagen installiert sind, dass theoretisch damit unser ganzer Strombedarf gedeckt werden könnte, versorgen uns diese Anlagen mit weniger als 30 Prozent, weil eben der Wind nicht dauernd weht und die Sonne nicht dauernd scheint. Und daran ändert sich auch nichts, falls diese Kapazitäten verdoppelt oder verdreifacht werden. Wir brauchen auf nicht absehbare Zeit unsere konventionellen Kraftwerke, um unseren gesamten Strombedarf (ergänzend zum EE-Strom) zu jeder Zeit zu decken. Und wenn jene EE-Kapazitäten weiter ausgebaut werden, wird das Stromangebot an der Strombörse immer größer, so dass die Börsenpreise immer weiter sinken und die EEG-Umlage dadurch immer weiter steigt. Der überschüssige Strom wird dann ans Ausland verschenkt oder muss sogar noch von uns mit erheblichem Aufgeld verschenkt werden, weil wir ihn loswerden müssen (Einspeisevorrang).

Die "Energiewende" nach deutscher Art ist ein kostentreibender Moloch, der Private und unsere Industrie bis zum Verlust der Wettbewerbsfähigkeit belastet. Kein anderes Land geht diesen Weg; einige unserer Verantwortlichen in der Politik wissen das auch, wagen aber nicht die Umkehr. Insofern müsste es eigentlich heißen: "Das Ende der Energiewende ist nicht aufzuhalten."

Klaus Voigtmann, Ketsch, Dr. Dieter Wendtland, Oftersheim

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