Leserbrief

Kampf um die Macht in Venezuela Dem Westen geht es doch nur um den Zugriff auf die Ölvorkommen, nicht um die Menschen

Das ist aggressiv und verlogen

Schon wieder: Die „westliche Wertegemeinschaft“ – der zutreffendere Ausdruck wäre Weltterrorisierungsgemeinschaft – hat nach Serbien, Afghanistan, Irak, Somalia, der Elfenbeinküste, Ukraine und Libyen – ihr nächstes Opfer gefunden: Venezuela mit seinem linken Präsidenten Maduro.

Die Präsidentschaftswahl im Mai 2018 sei nicht korrekt abgelaufen, Maduro also ohne demokratische Legitimation. Ganz davon abgesehen, dass das nicht westliche Regierungen zu entscheiden haben, verlief die Wahl nach Angaben von Wahlbeobachtern, auch aus dem Bundestag, korrekt. Das nun von der Rechtsopposition dominierte Parlament wurde auf Basis desselben Wahlgesetzes gewählt; da wird die Legitimation nicht angezweifelt.

Dass die damals in sich zerstrittene Rechtsopposition sich nicht auf einen Kandidaten mit Aussicht auf einen Wahlsieg bei der Präsidentschaftswahl einigen konnte und deshalb die Wahl boykottierte, kann man nicht Maduro in die Schuhe schieben. Dementsprechend wurde die Wahl Maduros von der überwiegenden Mehrzahl der Staaten anerkannt – selbstverständlich von Anfang an nicht von den USA!

Die USA und die EU täten besser daran, ihre eigenen Demokratiedefizite abzubauen, als in anderen Ländern Unruhe und Unfrieden zu stiften! So kann man Polen und Ungarn noch bestenfalls als „Demokraturen“ bezeichnen! Ob es demokratisch ist, Abstimmungen so oft wiederholen zu lassen, bis das „richtige“ Ergebnis herauskommt, wie in der EU mehrfach praktiziert und jetzt von „lupenreinen“ Demokraten den Bürgern Großbritanniens anempfohlen wird, ist mehr als fragwürdig.

In den USA wurden schon einige Präsidentschaftswahlen gefälscht! Erinnert sei nur an die erste Wahl von George W. Bush. Gestört hat das in Europa niemanden! Die damalige Oppositionsführerin im Bundestag, Angela Merkel, kritisierte lieber heftig, dass Deutschland nicht mit in dessen völkerrechtswidrigen Krieg zog! Dafür begrüßte sie im Februar 2012 den kasachischen „Führer der Nation“, Nasarbajew, mit allem Pomp, obwohl dieser wenige Wochen zuvor einen Streik von Ölarbeitern zusammenschießen ließ! Warum? „Weil es um Rohstoffe geht.“, so die Süddeutsche Zeitung.

Auch die hiesigen Massenmedien zeigen mal wieder, dass sie aus ihrem Versagen vor dem Irakkrieg nichts, aber auch gar nichts gelernt haben. Sie haben sich die Bewertung als Propagandamedien aufgrund ihrer Einseitigkeit redlich verdient. Der Putschist Guaido wird interviewt, die Gegenseite kommt aber nicht zu Wort. Von Demonstrationen der Rechtsopposition wird berichtet, wenn aber Hundertausende für Maduro demonstrieren – kein Wort darüber. Kein Wort auch darüber, dass im nun von einem Faschisten beherrschten Brasilien, der Vergewaltigung von Frauen für eine Petitesse hält, Demonstrationen stattfinden, wie auch in Ecuador gegen die neoliberale Politik des Präsidenten, der durch Wahlbetrug an die Macht kam und nun, anders als im Wahlkampf versprochen, massiv soziale Hilfsprogramme kürzt und damit die Armut in seinem Land noch vergrößert.

Worum geht es dem Westen nicht? Mit Sicherheit nicht um Demokratie, Menschenrechte oder das Wohlergehen der Menschen in Venezuela! Es geht mal wieder ums Öl (Venezuela verfügt über die derzeit größten bekannten Erdölvorkommen) und darum, dass der Westen – beziehungsweise westliche Konzerne – den Zugriff auf dieses Öl bekommen. Dafür hat der Westen auch nicht das geringste Problem, mit Diktatoren wie Nasarbajew (Präsident seit 1991!) und einem künftigen Diktator Guaido in Venezuela zusammenzuarbeiten. Um Menschenrechte geht es natürlich auch nicht: Wie könnte ein Land wie die USA für Menschenrechte sein, das weltweit Menschen foltern lässt und weiter ein eigenes Foltergefängnis in Guantanamo unterhält! Wofür übrigens europäische Länder, auch die BRD, Zulieferdienste übernommen haben!

Worum geht es wirklich? In Venezuela amtiert seit dem nie in Zweifel gezogenen Wahlsieg von Hugo Chavez 1998 eine linke Regierung, die das Öl nicht zu von westlichen Staaten diktierten Bedingungen herausgibt und ihre Bevölkerung nicht der Ausbeutung westlicher Konzerne ausliefert! Deshalb sollte auch schon Hugo Chavez trotz seines Wahlsieges mit über 60 Prozent der Stimmen durch einen Putsch im Jahre 2002 gestürzt werden – übrigens von den gleichen Kräften, die jetzt wieder am Werk sind!

Als ein französischer Konzern vor Jahren beschloss, dass ein Zementwerk mit 800 Arbeitern geschlossen und diese samt ihren Frauen und Kindern in die Arbeitslosigkeit entlassen werden, enteignete Chavez kurzerhand diese Firma und die Arbeiter mit ihren Familien behielten Lohn und Brot!

So etwas kann die westliche Wertegemeinschaft natürlich nicht auf Dauer dulden!

Günter Pfisterer, Hockenheim

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