Leserbrief

Flüchtlingspolitik Die Guten raus – die Schlechten bleiben

Das ist nicht vermittelbar . . .

Die Fluchtursachen bekämpfen! So lautet derzeit das Mantra in zahlreichen Talkshows. Es findet jedoch das genaue Gegenteil statt. Hier eine kleine Auflistung: Die Chefetage des Nestle-Konzerns lässt verlauten, dass Wasser kein Menschenrecht sei. So verwundert es auch nicht, dass dieser Konzern Menschen weltweit das Wasser abgräbt, also beispielsweise indigene Völker von ihren Trinkwasserbrunnen aussperrt, um danach dieses Wasser in Flaschen zu verkaufen, was sich aber nur die wenigsten Einheimischen leisten können.

Obendrein überflutet die EU mit ihrem subventionierten Überschuss die Märkte in Afrika und vernichtet Existenzen, weil die dortigen Erzeuger preislich nicht mithalten können. Hinzu kommen Waffenlieferungen in Krisen- und Kriegsgebiete sowohl aus der EU aber vor allem aus den USA, die für die meisten Konflikte mitverantwortlich sind. Letztere werden laut Klimaforscher Mojib Latif von einem „Vollidioten“ regiert, weil Trump allen Ernstes behauptet, der Klimawandel sei eine Erfindung der Chinesen, um der US-Wirtschaft zu schaden. Genau dieser Klimawandel führt aber dazu, dass immer mehr Menschen ihre angestammte Heimat verlassen werden.

Erinnern sie sich noch an das Treffen von Kanzlerin Merkel im Jahr 2015 mit Schülern in Rostock, als das Flüchtlingsmädchen Reem der Kanzlerin ihre Träume und Ängste – nämlich die Angst vor der bevorstehenden Abschiebung schilderte? Merkels „holzschnittartige Empathie“ führte dazu, dass die damals 14-Jährige noch in der Sendung in Tränen ausbrach. Durch öffentlichen Druck wurde die Familie dann doch nicht abgeschoben und mittlerweile ist aus dem sympathischen Mädchen eine junge Dame geworden, die kürzlich ihr erstes Buch veröffentlichte ( „Ich habe einen Traum: Als Flüchtlingskind in Deutschland“).

Aber nicht alle haben dieses Glück. Da werden Schulkinder unter Protest von Lehrern und Mitschülern während des Unterrichts aus ihrer Klasse herausgerissen und samt Familie abgeschoben. Integrierten Flüchtlingen, die mit ihren Ausbildern glücklich über die bestandene Gesellenprüfung sind, ergeht es ähnlich. Zurück bleiben kopfschüttelnde Firmenchefs und Arbeitskollegen, die die Welt nicht mehr verstehen.

Wer soll das auch verstehen, dass voll integrierte Menschen – gerade im Hinblick auf den Fachkräftemangel – kaltschnäuzig abgeschoben werden, während Gefährder uns auf der Nase herumtanzen und Angst, Schrecken und Leid verursachen, weil Staatsorgane es nicht gebacken kriegen, die Menschen zu schützen.

Sogar eine junge Flüchtlingsfrau, die in Deutschland ihren IS-Peiniger wiedererkennt und nicht ernst genommen wird, flüchtet lieber zurück ins Kurdengebiet, weil sie sich dort sicherer fühlt. Und wenn ich dann noch an den Affenzirkus um den Leibwächter von Osama bin Laden denke, der wohl früher oder später aus Tunesien zurückgeholt wird, damit dem Gesetz Genüge getan ist, dann muss ich sagen: Das ist alles nicht mehr vermittelbar!

Herbert Semsch, Brühl

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