Leserbrief

Corona-Paradoxen Es gibt viele Ungereimtheiten im Panikmodus, der derzeit in unserer Gesellschaft erzeugt wird

Das Leben ist immer lebensgefährlich

Wir haben – nicht nur in Sachen Corona – mittlerweile eine obskure Debattenkultur, bei der ein vermeintlich elitärer Personenkreis meint, bestimmen zu dürfen, wer wann und vor allem wie was sagen darf. Entspricht jemand nicht diesem „Wie“, dann folgt der mediale Vernichtungsangriff, der sowohl auf die berufliche als auch auf die gesellschaftliche Abkanzelung abzielt und den Menschen zur „Persona non grata“ abstempelt.

Maskenbeschwörer und Maskenverweigerer stehen sich unversöhnlich gegenüber. Wer nur ansatzweise Corona-Maßnahmen hinterfragt, findet sich in der Nazi- oder der Verschwörerschublade wieder. Oder er erhält eine Patientenverfügung für den Eigengebrauch.

Das Versammlungsrecht ist ein hohes Gut. Wer allerdings „Black Live Matter“-Demos bejubelt und bei Corona-Demos die Teilnehmer als „Covidioten“ bezeichnet, wie Saskia Eskens dies bei Twitter tat, verliert jegliche Glaubwürdigkeit. Es ist richtig: Gewisse Parolen und Verhaltensweisen sind auf diesen Demos schon bizarr unterirdisch, aber anderseits verstehe ich diese Demonstranten zu einem gewissen Teil auch, denn es gibt da viele Widersprüche in Sachen Umgang mit Corona.

Beispielsweise dürfen Familienfeiern mit bis zu 150 Personen – die sich vielleicht ewig nicht gesehen haben – wie beispielsweise Klassentreffen oder Trauer- und Hochzeitsfeiern – ohne Maske in Gaststätten stattfinden. Schülerinnen und Schüler in Nordrhein-Westfalen müssen jedoch sogar im Unterricht acht Stunden lang eine Maske tragen und das bei der Hitze. Und obwohl sie nach dem Unterricht eh zusammen rumhängen. Haben Sie eigentlich jeglichen Realitätssinn verloren, Herr Laschet?

Hier ein weiteres „Corona-Paradoxon“ – ebenfalls aus Laschets Land: In der Stadt Lage im Kreis Lippe durften dieser Tage bei einer Anti-AfD-Demo die Teilnehmer keine Masken tragen beziehungsweise wurden von der Polizei ultimativ aufgefordert, diese abzunehmen, wegen des Verstoßes gegen das Vermummungsverbot. Und Demonstranten, die gegen die Maskenpflicht demonstrieren, müssen eine Maske tragen? Wie schräg ist das denn?

Einige Politiker fordern sogar schon beim Verlassen der Wohnung eine Maskenpflicht. Selbst der Virologe Schmidt-Chanasit ist gegen eine allgemeine Maskenpflicht! „Was macht es für einen Sinn, wenn eine einzelne Person an einer Bushaltestelle oder am Bahnsteig eine Maske trägt?“, fragt er.

Auch was die kostenlosen Tests angeht, habe ich eine andere Meinung: Wenn Menschen Angehörige für zwei Wochen in die Kurzzeitpflege bringen, werden Corona-Tests fällig, die aus eigener Tasche bezahlt werden müssen. Für jene, die im Risikogebiet Urlaub machen, soll die Krankenkasse, also die Allgemeinheit, die Tests bezahlen.

Apropos Tests, deren Sicherheit immer öfter Zweifel aufkommen lässt: Stellen Sie sich vor, Sie erhalten einen Brief vom Gesundheitsamt: Ihr Kind soll in Quarantäne, weil es angeblich mit einem positiv getesteten in Kontakt war. Die Anordnung lautet, zu Hause zu bleiben und das Kind mit Maske versehen oder zu separieren. Falls das nicht eingehalten werde, müsse man das Kind in eine geschlossene Anstalt bringen.

Dieses Zwangsandrohungsschreiben mit Freiheitsberaubung und Kindesentzug – ohne richterlichen Beschluss übrigens – ist ein unglaublicher Vorgang, was sogar den Kinderschutzbund auf den Plan rief. Kindern wird die Nestwärme der Familie entzogen, gerade dann, wenn sie diese am nötigsten brauchen? Wenn wir das hinnehmen, dann ist das für mich das letzte Puzzleteil, das mir klar macht, weshalb 1933 bei uns möglich war.

Wir werden lernen müssen mit diesem Virus zu leben, aber auf eine vernünftige Art. Allein schon den Begriff „Alltagsmaske“ halte ich für abwegig. Wie meinte Erich Kästner doch einst: „Seien wir ehrlich – das Leben ist immer lebensgefährlich.“

Herbert Semsch, Brühl

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