Leserbrief

„Gewann Entenpfuhl“ Selbst Neubaugebiete ausweisen und dann den Kiesabbau verhindern

Das nenne ich Ketscher Doppelmoral

Zur Erinnerung: Wie vehement hat der Ketscher Bürgermeister Kappenstein sich für das Neubaugebiet „Fünfvierteläcker“ eingesetzt. Jeder Widerspruch gegen die Bebauung wurde niedergebügelt. Er war einer der eifrigsten Befürworter dieses unnötigen Flächenfraßes, der dann auch vom Gemeinderat abgenickt wurde. Ja der Bürgermeister denkt schon an eine weitere Erschließung für Bauland – Richtung Brühl. Gut, dass die Rheininsel als Naturschutzgebiet ausgewiesen ist. Wer weiß, was für Erschließungspläne noch in seiner Schublade schlummern.

Die Ablehnung der Marktplatzbebauung tut dem Bürgermeister sicherlich heute noch weh. Aber diese Dummheit wurde zum guten Glück durch das Bürgervotum verhindert.

Wahrscheinlich war der Bürgermeister noch nie im Baugewerbe tätig, aber er wird wissen, dass für den Hausbau Sand und Kies benötigt wird. Und hier beißt sich die Katze in den Schwanz. Gegen diesen Abbau im „Gewann Entenpfuhl“ wehrt sich nun die Gemeinde, die vorher durch das Neubaugebiet die Nachfrage selbst erzeugt hat. So was nennt man schlicht und einfach Doppelmoral. Wenn man die Vergangenheit betrachtet, ist sicherlich davon auszugehen, dass sich weder Gemeinderat noch Bürgermeister dieser Tatsache bewusst sind. Sturheit wird hier konsequent praktiziert.

Dass in Ketsch die Verwaltung umweltpolitisch noch auf den Bäumen lebt, ist gerade am neuen Baugebiet zu beobachten. Nicht nur, dass es ein Unding ist, die Bebauung nur für Einfamilien- oder Doppelhäuser zuzulassen. Nein, am furchtbarsten sind die Schottervorgärten, es sind Gärten des Grauens. Vorgärten – einst dafür gedacht, dass dort Blumen blühen und Hecken sprießen – erleben grauen Schotter auf dem Vormarsch. Schotter oder Pflaster für die überdimensionierten „Suff-Autos“. Ein grauenhafter Anblick. Ein Schmuckstück wird dieses Wohngebiet sicherlich nicht. Davon abgesehen trägt die Versiegelung des Bodens zur Klimaerwärmung bei. Tagsüber wird der Schotter durch die Sonneneinstrahlung erwärmt, um sie nachts wieder abzugeben. Aber dann wird eben eine Klimaanlage angeschafft. Dümmer geht’s nimmer!

Auch innerorts ist diese Um-wandlung von schönen Vorgärten in graue Steinwüsten zu beobachten. Man nehme nur die Goethestraße. Hier sieht man den Höhepunkt der Verschandlung. Neuerdings tragen auch noch Plastikzäune zur Verschönerung des Ortsbildes bei.

Doch all dies stört anscheinend Gemeinderat und Bürgermeister nicht. Und was sagt der Umweltbeauftragte der Gemeinde Ketsch dazu? Dominik Stang sagt nichts.

Während in anderen Gemeinden in jeder Ratssitzung der Umweltbeauftragte zu den entsprechenden Tagesordnungspunkten gehört wird, glänzt er in der Enderlegemeinde nur durch Abwesenheit. Dies sagt alles zum Stellenwert der Umwelt hier vor Ort.

Walter Rohr, Ketsch

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