Leserbrief

Abschiebung

Das sind doch keine Schwerverbrecher

Es geschah am 14. September: Da wurde eine voll integrierte Familie mit zwei minderjährigen Kindern um 4 Uhr früh von der Polizei abgeholt und in die Türkei abgeschoben. Begründung: Der Ausbildungsvertrag der Mutter kam zirka vier Wochen zu spät und die Abschiebung war bereits vorbereitet.

Ein christlich orientierter Staat mit humanitärem Anspruch bei der Aufnahme Fremder entledigt sich dadurch einer Familie, die integrierter nicht sein könnte nach zwei Jahren Aufenthalt im Land. Wegen vier Wochen Verzug bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz? Und das in Corona-Zeiten?

Wofür wird diese Familie, werden die Kinder, werden diejenigen, die ihnen bis hierher geholfen haben, bestraft?

Wo bleibt der Ermessensspielraum, um den Menschen gerecht zu werden, die hinter den fremdklingenden Namen oder gar Zahlen stehen, die die Behörden abschieben?

Diese entscheiden über Leben und Zukunft von bereits traumatisierten Menschen und vor allem Kindern, von denen sie nur die bloßen Daten kennen.

Wie bürokratisch darf ein Staat wie Deutschland bei solchen Entscheidungen sein?

Es handelt sich hier nicht um Schwerverbrecher – die Vorgehensweise ist aber die gleiche.

Hildegard Lacroix,

Eppelheim

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