Leserbrief

Verfassung in Russland

Das war knapp für Herrn Putin

Von der russischen Verfassungsabstimmung erfahren wir zwei Zahlen, nämlich 78 Prozent Ja-Stimmen bei 65 Prozent Wahlbeteiligung. Aus diesen zwei Zahlen errechnet man, dass von den 65 Prozent Wahlbeteiligten (Urnengänger) 78 Prozent – also 50,7 Prozent der wahlberechtigten Bevölkerung – „Ja“ sagten. Also waren 65 Prozent minus 50,7 Prozent – ist gleich 14,3 Prozent – dagegen. Zählt man diese Nein-Sager zu den 35 Prozent Russen hinzu, die zwar wahlberechtigt waren, aber nicht zur Urne gingen, so kommt man auf 49,3 Prozent Personen, die entweder „Njet“ sagten, oder an Putins Wahlschau kein Interesse hatten.

Putin ist also fast von der Hälfte der wahlberechtigten Bevölkerung nicht gewählt worden. Das ist ziemlich unbefriedigend für den Kremlchef, zumal das Ergebnis noch ein Prozentpunkt schlechter ist, als bei der letzten Wahl im März 2018.

Es grenzt an Massentäuschung, dass bei großen Wahlen die Anzahl Ja-Stimmen in den Vordergrund gestellt wird, ohne dass man erkennen könnte, dass ein großer Teil der Bevölkerung „dafür“ war. Bei einer Wahlbeteiligung von 64 Prozent wäre im vorliegenden Fall Putin von mehr als der Hälfte des Wahlvolkes nicht gewählt worden.

Das war knapp!

Dr. Felix Conrad, Hockenheim

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