Leserbrief

Kontaktsperre Wie werden wir uns aus Isolation und Einsperrung befreien? / Ein Schichtunterricht wäre die Lösung

Den Belasteten als Ersten helfen

Kaum begann die Spanne der Tage zwischen den Verdoppelungen der Neuinfektionen zu steigen, schon schossen Vorschläge zum Ende der Isolation ins Kraut.

Nur: Wo sollte man beginnen? In der Industrie? Der fehlt es vielerorts an Lieferanten und vor allem an Kunden – siehe VW und Audi.

In den Kaufhäusern und den kleineren Läden? Die haben inzwischen gelernt, wie man die Zahl der Kunden pro Quadratmeter Verkaufsfläche reguliert. Wer am Samstagmorgen vor einer Metzgerei anstand, erlebte schlechte Laune nur bei denen, die vor Verkaufsbeginn gekommen waren und sich trotzdem in eine Schlange einreihen mussten. Wer später kam, rechnete mit dem, was ihn erwartete und woran er sich in den zwei Wochen zuvor gewöhnt hatte. Glück für alle: Die Sonne schien.

Wirklich „über den Anschlag“ hinaus belastet waren und sind aber die Familien. Am meisten die mit nur einem Elternteil und danach die in Vollzeit arbeitenden Väter und Mütter. In einer Kita- und unterrichtsfreien Zeit gehören beide zu den am meisten Belasteten, das heißt auch zu den wahren Helden der Pandemie. Deshalb ist es eine moralische Pflicht, ihnen als Ersten beizustehen. Aber wie?

Reichen wir die Frage an die Großeltern weiter, denen es verboten wurde, ihrer lieben Pflicht nachzukommen und wie üblich die Feuerwehr zu spielen. Sie, die in der Nachkriegszeit die Volksschule und zum Teil auch das Gymnasium besucht haben, kennen die Lösung: Schichtunterricht. Das Hebelgymnasium zum Beispiel besuchten im Gebäude der heutigen Südstadtgrundschule nach dem Krieg etwa 800 junge Menschen, das Vierfache der heutigen Belegung. Das gelang, weil die eine Hälfte eines Jahrgangs von Montag bis Mittwoch vormittags und am Donnerstag und Freitag nachmittags und am Samstag weniger Unterricht hatte.

Auf heutige Verhältnisse mit einem fast völlig durchorganisierten Ganztagsunterricht ließen sich die Vormittage teilen. Den zur Verringerung der Ansteckungsgefahr halbierten Klassen wären je drei Stunden Unterricht und Hortbetreuung anzubieten. Auch ein Cafeteria- oder Mensa-Betrieb könnte so erhalten werden. Die Nachmittagsbetreuung würde freilich wegfallen müssen.

Die Entlastung für die alleinerziehenden und die doppelt arbeitenden Eltern wäre dennoch gewaltig, der Wissensfortschritt der Kinder würde weit stärker gefördert als derzeit, und am Ende könnten die absolut beizubehaltenden Vorsichtsmaßnahmen auch die Wiedereinbeziehung der Großeltern bald ermöglichen.

Die Entlastung ist eine zusätzliche Mühe wert. Machen wir uns an die Arbeit.

Helmut Mehrer, Brühl

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