Leserbrief

Schottergärten Überzeugungsarbeit statt eines Verbotes / Kommunen könnten Schulprojekte initiieren und Laubbäume verschenken

Den Perspektivenwechsel bieten

Nachdem kürzlich die Redakteurin Stefanie Kammerer ihre spezielle Art der Gartenkunst auf dem Balkon als ein Paradies für Insekten vorgestellt hat, lesen wir nun den Artikel „Feldzug gegen graue Flächen“ von Michaela Roßner.

Sie argumentiert mit ihrem Postulat gegen die Verbreitung von Schotterpisten, gegen die unsozialen Gärten mit dem Gefolge eines Rückgangs von Pflanzen und Tieren. Der Berliner Biologe Ulf Soltau hat zur Thematik ein Buch geschrieben mit dem Titel „Gärten des Grauens“. Er kürt jeden Monat den grässlichsten Garten mit dem „Terror Gardening Award“. Fans der Steingärten sind der Überzeugung, dass ihre Vorgärten mit Kies, Granulat oder Schotter pflegeleichter seien als Gärten nach hergebrachtem Schnittmuster. Sie vergessen aber die Nachteile wie Aufheizung durch die Sonne und Verlust einer Pflanzen- und Tierwelt ins Kalkül zu ziehen.

In vielen Kommunen formiert sich mehr und mehr Widerstand gegen die lebensfeindlichen Gartenkonzepte. Verschiedentlich gibt es auch schon Verbote. Verbote sind immer die letzte Möglichkeit, gesellschaftliche Probleme aus der Welt zu schaffen. Besser wäre es, die Vorgartenbesitzer mit einem Perspektivenwechsel zu überzeugen und ihnen die Möglichkeit anheimzustellen, den Vorgarten mit Laub, statt mit Steinen zu bedecken. Im Laubwald finden wir die abgeworfenen Blätter durchaus ästhetisch. An manchen Stellen dringen auch Bodendecker durch das Laub und beleben durch Farbe. Der Waldboden braucht keine Pflege. Er schafft Lebensraum für Bakterien und Insekten. Letztlich werden durch die Kompostierung auch die Bäume gedüngt.

Warum nicht auch in den Vorgärten ein bis zwei Laubbäume setzen, die im Herbst mit ihren Blättern den Boden bedecken. Es könnten auch Büsche oder Kolkwitzien dazu kommen. Pflanzen im Vorgarten bieten Lebensraum für Vögel und Insekten. Weiter reduziert das Blattwerk der Bäume die Aufheizung des Bodens während einer Sonnenperiode. Wenn das Laub im eigenen Garten kompostiert wird, kann man sich den Transport zur kommunalen Kompostanlage ersparen. Die Kommune könnte jedem Besitzer eines Vorgartens auch die Bäume schenken.

Zum Perspektivenwechsel gehört auch, dass sich der Mensch aus natürlichen Prozessen heraushält. Er muss lernen, von der Weisheit der Natur zu profitieren und nicht durch die Beherrschung der Natur sich das Leben schwer zu machen. Der Jahreszyklus bei Laubbäumen generiert auch therapeutische Effekte für die Seele des Menschen. Denkbar wäre, ein Vorgartenprojekt für Schüler zu initiieren, die speziell in Neubaugebieten aktiv werden könnten. Der richtige Adressatenkreis wären zum Beispiel die Schüler der „Fridays for Future“-Bewegung, die sich dabei für eine „Fridays for Nature“ starkmachen könnten.

Anton Strobel, Brühl

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