Leserbrief

Wasserstoffantrieb Die Option Zukunftsauto ist eine technisch sehr schwierige Sache mit Risiken

Den Pferdefuß weggelassen

Für 100 Kilometer braucht ein Mittelklasseauto zum Beispiel 6,5 Liter Benzin mit 60 kWh Energie-inhalt. Will man diese Energie in Form von Wasserstoff (H2) haben, so braucht man davon 20 000 Liter oder 20 Kubikmeter. Dieses extrem ungünstige Verhältnis von Energiegehalt und Raumbedarf macht H2-Gas als Auto-Treibstoff absolut ungeeignet.

Trotzdem interessiert sich die Autoindustrie fortgesetzt für H2 und zwar wegen seiner Umweltfreundlichkeit. Um den großen Nachteil beim Platzbedarf auszugleichen muss ein bestimmtes Gasvolumen auf einen Bruchteil reduziert werden. Dafür gibt es zwei Methoden. Zum einen die Verflüssigung durch Abkühlung auf minus 253 Grad Celsius (Kryotechnik). Platzbedarf nur noch 25 Liter. Diese Technik ist allerdings sehr anspruchsvoll, energieaufwendig und teuer. Sie spielt für Autos nach einigen Versuchen keine Rolle mehr, wohl aber in der Raumfahrt (Raketentreibstoff).

Die zweite Methode besteht in der Volumenverringerung durch Zusammendrücken. Sie wird praktisch in allen Fällen angewendet, in denen von Wasserstoff- oder Brennstoffzellenautos die Rede ist. Die schwierige Frage ist die, wieviel H2 mittels welchen Drucks so stark verdichtet werden muss, dass man in einem normalen Auto, die für eine Reichweite für 500 Kilometer erforderliche Menge unterbringen kann. Die unglaubliche Antwort lautet: Man muss circa 56 000 Liter H2 mit 700 bar auf etwa 120 Liter zusammendrücken!

Das Hochdruck-H2 wird in drei Spezialtanks im Unterboden verstaut. Das Gefahrenpotenzial beim Umgang mit H2 von 700 bar im Autobetrieb und bei der Spezialtankstelle mag sich der Leser ausmalen.

Aus den Hochdrucktanks bezieht eine Brennstoffzelle ihren Brennstoff, um daraus Strom für den Antriebselektromotor zu erzeugen. Ein solches Auto von Hyundai, der Nexo, ist unlängst in einer großen Autozeitschrift vorgestellt und hochgelobt worden. Mit keinem Wort wird der Pferdefuß dieser „Option Zukunftsauto“, der Umgang mit Hochdruckwasserstoff, erkennbar!

Warum diese Geheimniskrämerei? Wir vermuten einen schwerwiegenden Grund. Die Problematik des Hochdruck-H2 macht allen Versuchen, die Brennstoffzelle für die zukünftige Mobilität zu erschließen, praktisch den Garaus.

Dr. Felix Conrad, Hockenheim

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