Leserbrief

Datenschutz Wenn Behörden nicht nach Verwandten suchen sondern den Cousin anonym bestatten

Der einsame Tod eines Menschen . . .

Im Juli letzten Jahres besuchte mein 51-jähiger Cousin seinen seit 40 Jahren in Spanien lebenden Bruder, um mit ihm elf Urlaubstage zusammen zu verbringen. Bei der Abreise verabredeten sie in Verbindung zu bleiben. Wochen vor Weihnachten wurde ich von dem in Spanien lebenden Cousin um Hilfe gebeten, weil er seinen Bruder schon seit einer Ewigkeit nicht erreichen konnte. Ich habe Polizei-Dienststellen telefonisch kontaktiert oder selbst vorbeigeschaut, den Personalausweis vorgelegt und die Vermissten-Geschichte erzählt.

Überall die gleiche Antwort, wegen Datenschutz dürfen wir nichts sagen. Ein Hinweis, ob ein Unfall oder etwas anderes mit dieser Person vorgefallen ist, hätte ja schon ein wenig beruhigt. Es hat aber niemanden interessiert. Den Datenschutz hätte man wahrscheinlich aufheben können. Laut Meldeamt in Mannheim wäre für 10 Euro eine Auskunft möglich gewesen.

Eine Dienststelle wäre zu erwähnen, die doch Einsicht hatte und uns eine Auskunft gab. Der Bruder in Spanien soll sich doch mit dem Mannheimer Standesamt in Verbindung setzen, hieß es.

Da war mir klar, dass etwas Schlimmes passiert sein musste. Ich erkundigte mich auch bei dem Arbeitgeber meines Cousins und bekam die tragische Antwort: „Der Gesuchte hatte in seinem Wohnort Neckarau einen Unfall und ist im August verstorben.“ Als Bestätigung zu dieser traurigen Nachricht fragte ich auf dem Friedhofsamt Mannheim nach, ob eine Person mit diesem Namen beerdigt wurde.

Es wurde mir mitgeteilt, dass mein Cousin in einem anonymen Grabfeld liege. Diese Nachricht war schockierend. Wurde er als Katholik beerdigt? Durch Recherchen meinerseits erfuhr ich, dass er im Theresien-Krankenhaus verstarb. Auf Nachfrage am Samstag, 5. Januar, im Theresien-Krankenhaus wurde ich mit dem Wort Datenschutz abgeblockt und bekam keine Auskunft.

Fragen und keine Antworten! Wen will man hier noch schützen? Tot ist doch tot. Der verstorbene Cousin wurde wohl wegen unseres Datenschutzes oder nicht nachdenkenden Sachbearbeitern anonym auf dem Mannheimer Hauptfriedhof beerdigt. Im Umkreis von 25 Kilometern leben drei Cousins und eine Cousine, die man entweder durch den Datenschutz oder wegen Unfähigkeit nicht benachrichtigen konnte.

Der Bruder – in Spanien lebend – bekommt eine Rente aus Deutschland, also ist die Adresse vorhanden. Bei jedem Verkehrsvergehen, auch im Ausland, wird der Beschuldigte anhand seines Auto-Kennzeichens ausfindig gemacht. Aber jemanden anonym begraben, das geht wahrscheinlich schneller.

Und noch etwas: „Was passierte mit seinem Mobiliar, seinen Wertsachen?“ Dieses zu hinterfragen, wird seinem niedergeschlagenen, trauernden Bruder nicht erspart bleiben. Wie oft werden Personen erst nach langer Zeit tot aufgefunden und man wundert sich, warum sie niemand vermisst hat. Ich weiß warum: „Datenschutz“. Aber da bleibt die Menschlichkeit auf der Strecke.

Rolf Bartling, Neulußheim

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