Leserbrief

Europapolitik Nur mit einer lebendigen Einheit können Frieden und Freundschaft erhalten werden

Der Hass als stetiger Begleiter

Wer am vergangenen Dienstag auf das Ergebnis der Wahl Ursula von der Leyens wartete, kriegte ständig mit eingeblendet „Hockenheim – Angriff auf Oberbürgermeister Gummer“. Dass der noch unbekannte Täter flüchtig sei und die Motive damit als unklar zu gelten haben, wurde angefügt.

Was aber politisch Informierte vermuteten, bestätigten Aussagen von Hockenheimer Lokalpolitikern, die über alle Parteien hinweg schon von rechts angegriffen worden waren – manche nur mit Worten. Der ermordete Walter Lübcke war seit 2015 wegen seiner Unterstützung der Flüchtlinge zunächst „nur“ verbal angegriffen worden. Dass die Erinnerung an die in Gaskammern ermordeten Millionen uns auf Ewigkeit gegen solche Verbrechen immunisieren würde, haben viele gehofft. Jahrzehntelang. Und jetzt sorgen ausgerechnet Neonazis dafür, dass der Massenmord nicht vergessen wird. Nicht nur das: Seit 2015 verspotten sie die für die „Willkommenskultur“ Verantwortlichen als „Gutmenschen“. Doch gerade die schienen zu beweisen, dass wir unsere Lektion gelernt haben.

Amerikanische Freunde werden nicht müde, sich erzählen zu lassen, wie bei uns im Geist der unverletzbaren Menschenwürde Initiativen für Flüchtlinge entstanden sind. Bedauerlicherweise ging es in diesem Streit pro und kontra Flüchtlinge nie um die Menschenrechte. Im Zentrum standen vergleichsweise Banalitäten wie Kontrolle der Grenzen. So wie auch im Wahlkampf Ursula von der Leyens, in dem ihre Gegner perfekte Planungen statt Zielvorgaben forderten. „Es lebe Europa“, rief die Kandidatin zum Schluss aus. So endeten auch einst die Reden Oliviers d’Ormesson, des Bürgermeisters von Brühls Partnerstadt. Er hatte recht: Unser Kontinent braucht die Begegnungen von Menschen und Gemeinden. Unsere Zukunft liegt nicht im Dexit, den die AfD 2018 forderte, oder in einem „Europa der Vaterländer“, von dem de Gaulle 1962 schon sprach. Die 500 Millionen Europäer werden nur als eine lebendige Einheit Frieden und Freundschaft erhalten können.

Helmut Mehrer, Brühl

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