Leserbrief

SPD Lob für die Aussagen des Juso-Bundesvorsitzenden

Der kühne Kevin

Einer sagt die Wahrheit und alle drehen durch! Wahrscheinlich weil sie spüren, dass er (Kevin Kühnert, Bundesvorsitzender der Jusos, Anm. d. Red.) recht hat. Ja was hat er den nun gesagt, der Juso-Vorsitzende. Dass Eigentum und Gewinne immer ungerechter verteilt werden und dadurch wenige auf Kosten vieler immer vermögender werden. Aber so ist es doch. Fast sechs Millionen Menschen sind auf Hartz IV angewiesen und jeder fünfte Arbeitnehmer fristet sein Dasein im Niedriglohnsektor. Dies ist allgemein bekannt. Ebenso allgemein bekannt ist auch, der Überbringer der Botschaft nicht bejubelt wird – früher wurde er geköpft.

Da macht sich einer von der SPD grundsätzliche Gedanken über Ungerechtigkeiten und Schieflagen in unserem Land und vermag noch sich darüber zu empören. Und was macht seine eigene Partei? Sofort haben die Vorsitzende Andrea Nahles und Olaf Scholz überheblich und arrogant auf die Aussagen von Kevin Kühnert reagiert, anstatt sich endlich wachrütteln zu lassen. Sie sollten dankbar sein, dass sie da einer deutlich an Standpunkte erinnert, von denen sie sich schon viel zu weit entfernt haben. Mit ein Grund für den Abwärtstrend der SPD ist doch gerade, dass sie keine Visionen mehr aufzeigt und keine von Überzeugungen getragene Ziele benennen kann. Niemand regt sich mehr über die betrügerischen Autokonzerne, über verfehlte Klimaschutzziele, die raffgierigen Dax-Manager oder unsere tatenlosen Ministerien (etwa unter Seehofer, Scheuer, von der Leyen) auf, die anstatt konstruktiv zu arbeiten nur heiße Luft produzieren. Aber nein, dies wird jetzt alles verdrängt und man hat ja jetzt mit Kevin einen neuen Prügelknaben gefunden.

Ja, er hat es gewagt über kollektive, das heißt demokratische Organisationsformen von Unternehmen nachzudenken. Ebenso hat er was dagegen, das Wohnungseigentum als Spekulationsobjekt betrachtet wird. Doch nichts wird dem Mensch weniger verziehen, als Recht zu haben. Doch ein „Weiter so“ wird’s nicht geben. Ohne eine Änderung unserer Lebensweise, ohne Reformierung der Wirtschaftsformen kann man nur Schwarzsehen für die Zukunft, vielleicht nicht morgen, aber sicherlich spätestens für die nächste Generation. Dass die Reaktionen auf Kevins Aussagen am Niveau schwer zu unterbieten sind, sagt eigentlich alles. Denn lobt dich der Gegner, ist dies bedenklich, kritisiert er dich, bist du auf dem richtigen Weg. Es gibt vielleicht bessere SPD-Politiker als Kevin Kühnert, aber ich kenne keinen.

Walter Rohr, Ketsch

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