Leserbrief

Rassismusdebatte „Woher kommst Du?“ – ist die meistgestellte Frage auf dem Pilgerweg / Diskriminierung findet im Kopf statt

Der Mohr hat seine Schuldigkeit getan . . .

In Kiel betreibt ein Koch sein Restaurant ganz bewusst unter dem Namen „Zum Mohrenkopf“. Andrew Onugbu meint dazu mit einem Augenzwinkern und voller Stolz: „Ich bin Mohr! Der Mohr stand im Mittelalter für gute Küche.“ Man sollte viel unverkrampfter mit dem Thema Rassismus umgehen, denn dieser verbirgt sich nicht hinter einem Namen oder Logo, sondern er ist hier drin. Davon ist Onugbu überzeugt und klopft sich dabei mit der Hand auf seine Brust.

Trotz massiver Belästigungen durch Sprachfanatiker zeigt sich der Gastronom aus Nigeria konsequent: Der Name bleibt! Schon seit über 200 Jahren hat die Gaststätte „Zum Mohren“ in Heidelberg diesen Namen, doch jetzt hat ein Student Strafanzeige wegen Beleidigung gestellt. Der Pächter dieser Gaststätte hat wegen Corona grad ganz andere Probleme, musste beispielsweise 24 Mitarbeiter entlassen.

„Ich würde gerne und hätte schon längst diesen Namen geändert, aber ich darf das nicht. Die Vermieterin besteht darauf, weil dies so im Grundbuch steht und eine Namensänderung mehrere Tausend Euro kosten würde“, erklärte der Pächter in einem TV-Interview.

Wenn man „Dr. Google“ fragt, dann erfährt man, dass der Begriff Mohr aus dem lateinischen „maurus“ hervorging und auf die Bewohner Mauretaniens verweist.

Eine Wertschätzung der maurischen Bevölkerung, die uns die moderne Pharmazie brachte, findet sich in den traditionellen „Mohren-Apotheken“ wieder, ist also nicht per se rassistisch. Das interessiert aber die nicht, die solche Apotheken bedrohen und sogar vor Anschlägen nicht zurückschrecken. In München forderte ein Stadtrat der Linkspartei, dass man auf den Begriff „Schwarzfahrer“ verzichten soll, weil dieser rassistisch sei. „Narrhallamarsch“ – würde Fasnachter Ernst Neger bei dieser Posse hinausposaunen!

Denn der Begriff „Schwarzfahrer“ hat absolut nichts mit der Farbe zu tun, sondern hat seinen Ursprung im jiddischen Wort „Shvarts“, was „arm sein“ bedeutet.

Natürlich gibt es Alltagsrassismus. Den hat grad kürzlich der Freund meiner Tochter erfahren müssen, dem im ÖPNV bei der RNV durch einen Busfahrer übel mitgespielt wurde, was wohl mit seinem Teint zusammenhängt und auch Konsequenzen haben wird! Denn niemand hat das Recht, einem anderen das Menschsein abzusprechen.

Rassismus und Diskriminierung findet vor allem im Kopf statt, denn allein durch die Umbenennung eines Altersheimes in ein Seniorenheim geht es den dortigen Heimbewohnern auch nicht automatisch besser.

Aber die Verbissenheit, mit der bei uns manche Diskussionen geführt werden, ist schon erschreckend.

Denn, dass schon die Frage „Woher kommst Du?“ als rassistisch eingestuft wird, ist in meinen Augen mehr als bizarr! Wer je auf dem Jakobsweg war oder Hape Kerkelings Buch („Ich bin dann mal weg“) gelesen hat, schüttelt darüber nur den Kopf. Denn die meist gestellte Frage auf diesem Pilgerweg, wo sich Gott und die Welt trifft, lautet: „Woher kommst Du?“

Herbert Semsch, Brühl

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