Leserbrief

Gedenktag Gegen das Vergessen von Krieg und Verfolgung

Der Schoß ist fruchtbar noch

Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch. Mit diesem prägnanten Satz warnte Bertold Brecht in seinem Theaterstück: „Der aufhaltsame Aufstieg des Aturo Ui“ vor faschistischen Nachfolgern. Er ist heute aktueller denn je. Wehret den Anfängen. Daher ist es nur folgerichtig, dass eine der letzten KZ-Überlebenden von Auschwitz, Esther Bejarano, fordert den 8. Mai zum Gedenk-/Feiertag zu machen. Denn solche Verbrechen gegen die Menschlichkeit dürfen sich nicht wiederholen.

Und was macht das Gros unsere Politiker, es lehnt solch einen Tag ab. Warum eigentlich, was hindert sie? Stehen sie nicht hinter dem, was sie immer wieder beschwören: Nie wieder Verbrechen gegen die Menschlichkeit, Krieg, Faschismus. Sind das alles nur Lippenbekenntnisse? Wie kann, soll, darf oder muss man Aussagen von Politikern, wie sie zur Gedenkfeier am 8. Mai in Berlin in der Gedenkstätte Neue Wache fielen, bewerten. Ein Auszug: „Die Erinnerung an den Krieg und seine Schrecken müssen für alle Zeit wachgehalten werden“ oder wie der Bundespräsident mahnt: „Damals wurden wir befreit. Heute müssen wir uns selbst befreien (und meint damit den neuen Nationalismus, Hetze und Fremdenfeindlichkeit). Die deutsche Geschichte ist eine gebrochene Geschichte. Dazu gehören Verantwortung für millionenfachen Mord und millionenfaches Leid.“

Jetzt wäre es doch an der Zeit, den Worten Taten folgen zu lassen. Oder behindern etwa wirtschaftliche Interessen diese ablehnende Haltung? Dies wäre fatal. Wenn man bedenkt (und das soll in keiner Weise eine Ab- oder Bewertung sein), wie viele kirchliche Feiertage es gibt, die man zum Teil nur kennt, weil sie arbeitsfrei sind, wäre es doch zwingend notwendig und ein menschliches Gebot, endlich einen Gedenktag gegen das Verbrechen, Leid und Vergessen einzurichten. An dieser Stelle muss auch die Frage gestattet sein, warum lässt man hier nicht die Bevölkerung abstimmen beziehungsweise entscheiden. Ein Volksentscheid wäre hier bestimmt sinnvoll und angebracht.

So hätte jeder Bundesbürger die Möglichkeit, seinem Gewissen folgend abzustimmen. Deshalb muss die jüngst im Bundestag beschlossene Entscheidung, keinen Gedenktag einzurichten, unbedingt korrigiert beziehungsweise revidiert werden, um letztendlich die Bundesbürger entscheiden zu lassen.

Thomas Proft, Schwetzingen

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