Leserbrief

Klimaschutz Junge Köpfe und frische Ideen – seien wir doch einfach alle mal ein wenig toleranter / Das Thema ist wichtig

Die Erde ist nicht unser Eigentum

Zur Zeit steht der Atlantiktrip von Greta Thunberg ja mächtig im Kreuzfeuer. Grenzwertig mag das Ganze sicherlich sein und auch nicht ungefährlich. Vielleicht ist auch alles nicht zu Ende gedacht, da ja beispielsweise das Rennsegelboot aus einer nicht recyclebaren Karbonfasermischung besteht, die irgendwann auf dem Sondermüll landet.

Bei dem ganzen Hype um ihre Person, an der sich auch sensationsgierige Medien gegenseitig regelrecht überbieten, wäre es ihren ärgsten Kritikern aber eh egal, wie sie nach New York zum UN-Klimagipfel kommt, denn die finden immer was.

Jeder mag also von Greta halten, was er will. Aber je nach der Art und Weise, wie Kritiker Greta Thunberg attackieren, keimt bei mir doch der leise Verdacht auf, dass es weniger um die Sache, als um die Person geht.

Ihr also bei der riskanten Atlantiküberquerung den Tod zu wünschen, wie dies beispielsweise auf Facebook zu lesen ist, ist einfach niederträchtig und widerlich. Im Grunde hat Greta doch nur eines – endlich – in den Mittelpunkt gerückt, nämlich dass die Erde nicht unser Planet und nicht unser Eigentum ist, sondern dass sie allen Geschöpfen gehört, die auf diesem Planeten leben. Auch jenen, die noch nach uns leben wollen.

Wir verhalten uns leider so, als wäre die Erde unser Eigentum! Es ist verantwortungslos, wenn zwei bis drei Generationen mehr Ressourcen „verbraten“ und Schadstoffe ausstoßen als mehrere 100 Generationen zuvor. Jahrelang haben wir nach einer politisch engagierten Jugend gerufen. Jetzt ist sie da und es hagelt gleich wieder Häme, Hass und Hetze. „Friday for Future“ zielt doch nicht nur allein auf das Thema Klima, sondern auf unsere Zukunft generell, die wir schon viel zu lange am Spieltisch des Mammons verspielen! Stichworte: Raubbau, Artensterben und so weiter.

Ich frage Sie: Was ist wohl glaubwürdiger? Wenn Schüler auf die Straße gehen oder wenn – wie in 2007 geschehen – „Miss Merkel mit dem Gespür für Schau“ auf dem Schiff Smilla medienwirksam vor Grönland umher tuckert, um den Klimawandel zu erforschen?

Haben nicht grad unsere sogenannten „Profis“ aus den letzten Regierungen die „Klimakiste“ an die Wand gefahren? So gesehen ist es eigentlich schäbig, dass man Menschen, die sich im Grunde für etwas Gutes einsetzen, indirekt als Spinner hinstellt. Gerade auch von „Experten“ aus dem Reichstag!

Natürlich ist mir klar, dass wir nicht von heute auf morgen einfach unsere Kohlekraftwerke abschalten können und Deutschland allein nicht die Welt retten kann.

Aber wenn ich sehe, wie weltweit zur Jagd auf die einmaligen Schätze unseres herrlichen Planeten geblasen wird, dann befürchte ich das Schlimmste.

Umso mehr halte ich es mit dem Spruch von Käpt’n Kirk vom Raumschiff Enterprise, der einst bekundete: „Junge Köpfe – frische Ideen, seien wir alle mal ein wenig toleranter.“

Herbert Semsch, Brühl

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