Leserbrief

Gendergerechtigkeit

Die jungen Männer nicht vergessen

Zum Artikel „Absolventen haben ‚Demokratie gelebt‘ “ (SZ vom 15. Juli) wird geschrieben: In diesem Artikel konnte man lesen und sehen, dass auf dem Hockenheimer Carl-Friedrich-Gauß-Gymnasium 17 junge Leute das Abitur mit einer Note besser als 2,0 gemacht haben. Allen diesen jungen Damen und Herren möchte ich dazu herzlich gratulieren. Eine solch gute Note erreicht man nur durch entsprechenden Fleiß, Einsatz und die nötige Intelligenz.

Eines stört mich jedoch beim Anblick des Bildes: 14 Frauen, aber nur drei Männer blicken freudig in die Kamera. Mit einem Augenzwinkern frage ich mich, wo da bei der Notenvergabe die Gendergerechtigkeit geblieben ist, wenn es nur weniger als 20 Prozent der jungen Männer in die Topebene geschafft haben? Gleichberechtigung bedeutet nämlich auch, dass Männer genauso repräsentiert sind wie Frauen. Hat es die Schulleitung nicht fertig gebracht, dieses elementare moderne Grundverständnis der Gleichberechtigung von Mann und Frau ihren Schülerinnen und Schülern beziehungsweise Lehrerinnen und Lehrern zu vermitteln?

Heutzutage, so habe ich den Eindruck, kommt es ja nicht mehr auf Leistung und Einsatz an, sondern nur noch auf ein ausgeglichenes Geschlechterverhältnis. Viele Männer spüren es am eigenen Leib, wenn bei einer anstehenden Beförderung oder einer Neubesetzung einer Stelle eine Frau vorgezogen wird, nur damit anschließend die Verantwortlichen verkünden können, dass nunmehr eine höhere Frauenquote in den höheren Ebenen vertreten ist.

Für Männer bedeutet dieses Vorgehen de facto eine Beförderungssperre für viele Jahre. Früher waren zugegebenermaßen die Männer überprivilegiert. Aber nicht aus böser Absicht, es war gelebte und tradierte Kultur. Das hat sich geändert. „Gott sei dank“ haben heute die Frauen viel bessere Ausgangsvoraussetzungen und der gesamten Gesellschaft kommt zugute, dass Frauen anders denken und agieren können als Männer.

Zwischenzeitlich, so habe ich weiterhin den Eindruck, sind Männer nicht mehr überprivilegiert, nicht einmal mehr gleichberechtigt, sondern unterberechtigt. Bei der Bevorzugung von Frauen wird bewusst der Mann hinten angestellt. Bei uns Männern wird versucht, uns viele grundlegende Rechte zu nehmen oder sie zumindest einzuschränken.

Es nervt mich ungemein, wenn Frauen, aber auch Männer, unter dem Deckmantel der Ungleichbehandlung uns Männern heutzutage immer ein schlechtes Gewissen einhauchen wollen. Wer glaubt, sich profilieren zu müssen, schreit lauthals nach der Gendergerechtigkeit und meint damit die Bevorrechtigung von Frauen. Ich möchte daran erinnern, umgekehrt gilt die Gendergerechtigkeit aber auch. Wir alle sollten darüber nachdenken – und unser Handeln danach ausrichten.

Zurück zu unseren Abiturientinnen und Abiturienten. Ich bin ehrlicherweise überzeugt, dass die jungen Frauen mit sehr großem Fleiß, Engagement und Lerndisziplin die guten Noten bekommen haben. Jeder von uns als Teil der Gesellschaft muss jedoch dafür sorgen, dass die jungen Männer sich nicht von vornherein aufgeben. Wir müssen sie ermuntern und fördern, damit sie unter gleichen Konditionen die gleichen Erfolgserlebnisse wie Frauen haben können.

Klaus Donderer, Schwetzingen

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