Leserbrief

Waldschutz Krisenmanagement für die Natur aktiv organisieren

Die Kermesbeere bekämpfen

In dem Artikel „Wald stirbt Forst unter den Händen weg“ ( SZ vom 11. Dezember) zum Gemeindewald Reilingen zeichnen die Förster ein düsteres Bild. Die Bekämpfung der Kermesbeere wäre in der Fläche sinnlos, nur in Naturschutzbereichen werde sie angegangen.

Wie das dann aussieht, kann am Reilinger Weg, wenn man von der B 291 in Richtung Vesperhütte geht, heute schon beobachtet werden. Hier wuchert die Kermesbeere rechts und links. Jeder, der daran vorbeiläuft sagt, die gehört nicht hierher, die nimmt den Nachwuchsbäumen doch die Fläche weg, das kann so nicht bleiben.

Der Schwetzinger Buckel auf der rechten Seite, bis vor Kurzem ebenfalls ein Kermesbeerengebiet, wurde mit einem Bulldozer in ein Sand-Dünen-Naturschutzgebiet umgewandelt. Die Humusschicht, einschließlich Kermesbeerensamen, wurde nahe des Buckels auf eine Wildblumenwiese geschüttet. Die Wiese sieht jetzt aus wie eine Mondlandschaft. Waldschutz und Kermesbeerenbekämpfung ist das jedenfalls nicht.

Am 5. November hat der für Baden-Württembergs Wälder zuständige Minister Peter Hauk die neue Waldstrategie vorgestellt, mit 21 Zielsetzungen. Ziel fünf behandelt das Krisenmanagement. Wir könnten uns vorstellen, dass die sieben Hardtgemeinden Reilingen, Hockenheim, Schwetzingen, Oftersheim, Sandhausen, St.Ilgen und Walldorf mithelfen bei der Krisenbewältigung. Von Alters her haben sich doch diese Gemeinden auch die Erträge des Waldes geteilt, Vieh in den Wald getrieben und Frondienst geleistet.

Heute profitiert jeder der über 100 000 Einwohner vom vorhandenen Wald. Er sorgt für sauberes Trinkwasser und gute, kühle Luft. Zudem dient er uns allen als Naherholungsgebiet. Bürgermeister und Gemeinderäte haben eine besondere Verantwortung für den Wald. Wenn der Reilinger Gemeinderat die Kermesbeere als künftige Nutzpflanze sieht, kann das nur ein schlechter Scherz sein.

Jede Gemeinde hat doch Mitarbeiter und könnte zwei bis drei für eine begrenzte Zeit zur Bekämpfung abstellen. 20 Mann können in einem Monat zigtausend Kermesbeeren aus dem Boden ziehen. Vor fünf Jahren haben Walldorfer Förster ein vielversprechendes Projekt gestartet, die Erfahrungen kann man nutzen. In jeder Gemeinde wurden an den Waldeingängen Hochglanz-Infotafeln aufgestellt mit Informationen zum einzigartigen Waldschutzgebiet Schwetzinger Hardt.

Bürgermeister und Förster ließen sich davor für die Presse fotografieren. Jetzt sind sie mal gefordert als Krisenmanager. Die Flinte ins Korn zu werfen, das geht gar nicht.

Werner und Ingrid Jäkel,

Schwetzingen

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