Leserbrief

Naturschutzgebiet im Hirschacker Mit den Hunden im Wald spazieren gegangen und mehrfach angezeigt worden / Obwohl gar nicht klar ist, wo das Schutzgebiet anfängt und wo es genau aufhört

„Die Methoden des Nabu gefallen mir gar nicht“

Im Jahr 2015 stieß ich das erste Mal mit einem Mitarbeiter des Vereins Nabu (Naturschutzbund Deutschland) zusammen. Nach mehr als zehn Jahren sorglosen und entspannten Spazierengehens mit freilaufenden Hunden im Schwetzinger Wald beim Hirschacker.

Ich habe immer mehrere Hunde dabei, vier eigene und ein bis fünf von anderen Leuten. Außerdem fahre ich mit dem Fahrrad, da ich zu 70 Prozent schwerbehindert bin und schlecht laufen kann. Es trat mir ein Mann in den Weg und forderte mich auf, alle Hunde anzuleinen, ich würde mich im Naturschutzgebiet befinden. Ich fragte ihn, ob er vom Nabu sei. „Nein“, sagte er, er sei von einer Naturschutzbehörde aus Sinsheim. Ich antwortete, er solle doch bitte den Leuten in Sinsheim auf die Nerven gehen und mich in Ruhe lassen, dann fuhr ich weiter.

Das verärgerte diesen Menschen wohl so sehr, dass er mir auf dem Parkplatz auflauerte, um mein Autokennzeichen zu erkunden. Zu diesem Zweck hatte er sich im Gebüsch versteckt. „Snorre“, meinem kleinsten Hund, war das wohl suspekt und er verbellte den Mann im Gebüsch. Erst da trat er hervor. Ich sagte ihm, er solle sich doch lieber darum kümmern, dass der Nabu auf den Waldwegen Grobschotter verteilt und Zement darüber streut. Ich hatte den Vorfall bald vergessen und ging oder fuhr weiterhin meine üblichen Wege.

Kurze Zeit später traf ich wieder auf denselben Menschen. Diesmal fotografierte er mich mit seinem Handy. Meine Aufforderung, das zu löschen, da ich von ihm nicht fotografiert werden wolle, ignorierte er einfach. Er warf mir vor dann vor, ich würde die Natur missachten. Dabei war er übrigens mit dem Auto da, was ich ihm auch sagte. Er habe dafür eine Genehmigung, da er den Müll aus dem Wald schaffen müsse. Worauf ich ihm entgegnete, dass man das auch mit dem Fahrrad und einem Anhänger machen könnte.

Etwas später bekam ich dann eine Anzeige: Ich sollte 50 Euro zahlen. Das Ordnungsamt habe Fotos vorliegen, wurde mir da von der Stadtverwaltung mitgeteilt.

Ich schaute mir die Fotos an und teilte der Dame vom Ordnungsamt mit, dass ich besagten Herrn – seinen Namen kannte ich nun durch die Anzeige, vorgestellt hatte er sich mir nicht, anzeigen werde, da er mich, gegen mein ausdrückliches Verbot, fotografiert hatte.

Anschließend suchte ich meinen Anwalt auf. Nach einigen Telefonaten einigte sich mein Anwalt schließlich mit dem Ordnungsamt dahingehend, dass ich den Herrn nicht anzeige und ich mich in Zukunft auch nicht mehr mit unangeleinten Hunden im Naturschutzgebiet aufhalten werde. Dann werde auch gegen mich die Anzeige fallen gelassen. Ich war einverstanden. Von nun an mied ich Wege und Gebiete, die durch Schilder als Naturschutzgebiet gekennzeichnet waren.

Nun war ich kürzlich wieder unterwegs – und schon fast am Parkplatz angekommen, sah ich am Wegrand ein riesiges Wohnmobil mit der Aufschrift Ökomobil und Nabu. Die Tür öffnete sich und zirka zehn Kinder stiegen aus, zusammen mit erwachsenem Begleitpersonal.

Mir stieg die Galle hoch. Da wurde so ein Gedöns gemacht, wegen einiger freilaufender Hunde die, wie sonst auch, in gerade Linie auf dem Weg hinter mir herliefen, aber dann mit einem fetten Auto in den Wald fahren. Der Parkplatz war in dem Fall vielleicht 200 Meter entfernt. Was bringt man den Kindern bei? Bewegt Euch ja nicht! Man kann überall mit dem Auto hinfahren, wenn man eine Genehmigung hat, schadet das auch gar nicht der Natur?

Ziemlich laut sagte ich zu meiner Begleitung: „Hoffentlich nehmen sie ihre Abgase wieder mit, wenn sie aus dem Wald raus fahren.“ Das wurde wohl gehört und als Antwort erhielt ich: „Und Sie haben sechs Hunde im Naturschutzgebiet frei laufen.“

Ich antwortete: „Es sind sieben Hunde, zählen Sie bitte richtig, Sie haben schließlich eine Verantwortung gegenüber den Kindern.“ Außerdem ging ich davon aus, dass ich mich nicht im Naturschutzgebiet befand, denn auf meinem Weg war ich an keinem diesbezüglichen Schild vorbeigekommen.

Wie nicht anders zu erwarten, bekam ich kurz darauf wieder eine Anzeige zugestellt. Diesmal von einer Frau, wohl eine der Begleitpersonen beim Ökomobil. Auch der besagte Herr zeigte mich nochmals an – wieder war ich, aber diesmal ohne es zu wissen, im Naturschutzgebiet spazieren gegangen. Anscheinend hatte ich verlernt, Schilder korrekt zuzuordnen, obwohl es im Straßenverkehr noch ausgezeichnet funktioniert.

Da ich nicht bereit war die Strafe zu bezahlen, ging das Ganze vor Gericht. Das Verfahren wurde letztendlich eingestellt, da man, so wie die Schilder standen, nicht erkennen konnte, ob ich mich im Naturschutzgebiet befand oder nicht. Außerdem gab es noch einen Fehler bei dem Datum der Anzeige. Die Richterin entließ mich mit den Worten, dass ich mich jetzt zu erkundigen hätte, wo genau das Naturschutzgebiet sei.

Ich kaufte mir eine Karte und prägte mir genau ein, welche Wege ich benutzen darf und welche nicht. An einer Stelle befindet sich, an der Grenze zum Naturschutzgebiet, ein Baum. Diesen Baum nutzte ich morgens für eine Meditationsübung. Die Hunde standen oder lagen um mich herum und schnupperten auch mal in dem Gebiet zwei Meter um den Baum herum.

Während ich unter dem Baum stand, tauchte eine Gruppe Menschen auf. Beim Näherkommen erkannte ich an den blauen T-Shirts, dass es Nabu-Mitglieder waren. Aus dieser Gruppe kannte ich nur die Frau, die mich angezeigt hatte.

Da ertönte es auch schon.: „Lassen Sie wieder Ihre Hunde im Naturschutzgebiet frei laufen?“ Ich entgegnete, dass ich nicht im Naturschutzgebiet sei. Die Antwort war: „Aber die Hunde sind im Naturschutzgebiet.“ Ich konnte es kaum glauben und nicht fassen.

Die haben mich tatsächlich wieder angezeigt! Wegen zwei Metern! 500 Euro sollte ich nun zahlen. Endlich konnten sie mir einen reinwürgen. Wenn solche Menschen an irgendeine Form von Macht kommen, dann wird es eng im Wald.

Catharina Päärmann,

Schwetzingen

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