Leserbrief

Naturschutz in Schwetzingen Kermesbeeren, Trockenschäden, verlandete Suhlen, der Wald stirbt uns einfach so weg

Die Rettung des Hardtwalds jetzt zur Chefsache machen

In der Schwetzinger Zeitung war zu lesen, die Grünen haben den Landtagskandidaten Dr. Andre Baumann zur Fahrradtour in die heile Waldwelt der Ketscher Rheininsel eingeladen. Wir schlagen vor, dass die Grünen sich den sterbenden Wald in der Schwetzinger Hardt anschauen.

Hier gibt es gewaltige Problemfelder: die Kermesbeeren, die Borkenkäferschäden, die Trockenschäden und ausgetrocknete Suhlen. Anfang des letzten Jahrzehnts begann die Forstverwaltung mit rigorosen Abholzungsmaßnahmen – da hieß es Fremdlinge ausholzen und es gab das Programm „Lichter Wald“.

Bereits 2015 sprach man von Dürreschäden und Maikäferschäden, die man zusätzlich zu der normalen Holzernte schlagen musste. Wir sind der Meinung, dass die damaligen Maßnahmen Auslöser und Beschleuniger der schlimmen Waldentwicklung sind. Im Bericht über die Tour mit Dr. Baumann wird über das Fällen von gesunden Hybrid-Pappeln nachgedacht, das erinnert wieder an die Fehler im Hardtwald.

In der Hardt wurden Fremdlinge wie Robinien, Hainbuchen, Kastanien und Schwarzkiefern ausgeholzt, nur weil sie das Waldbild störten. Hier dürfen wir darauf hinweisen, dass nicht weit von uns, in der Pfalz bei Maxdorf der größte Robinienwald (300 Hektar) nördlich der Alpen liegt. Er liefert seit 300 Jahren Akazienhonig, anfangs für den Kurfürst, heute für alle. Dort genießt die Robinie, Baum des Jahres 2020, Schutz, bei uns passt sie nicht ins Programm, obwohl sie Hitze und Trockenheit sehr gut verträgt.

Ein dramatischer Effekt der Ausholzung ist das Wuchern der Kermesbeere, sie bekommt jetzt mehr Licht, das fördert das Wachstum dieser Neophyten. Die Kermesbeerenfelder in der Hardt sind riesig und dehnen sich weiter aus, sie zerstören alle Pläne zur Walderhaltung und zum Artenschutz. Die Pflanzen herauszuziehen, das muss unseres Erachtens mittels eines massiven Arbeitseinsatzes erfolgen; Schulklassen, Bundeswehr, ja sogar über Häftlingseinsatz müsste da nachgedacht werden.

Die Holzernte, das ist ein so dramatisches Thema. Wir meinen, jeder gesunde Baum muss ab sofort stehenbleiben. Nur noch die Borkenkäferschäden, die Trockenschäden und die Baumruinen in Wegnähe sollten gefällt werden. Der schnelle Abtransport aus dem Wald ist wichtig.

Eine böse Entwicklung ist die Trockenheit, denn der Waldboden speichert keine Feuchtigkeit mehr. Als Gegenmaßnahme will man im Nachbarwald, in der Lußhardt, den Kriegbach renaturieren. Das finden wir gut. Und im Hardtwald? Kann man hier nicht in Hochwasserzeiten den Hardtbach nutzen und ein Bewässerungssystem schaffen? Oder Regenwasser aus dem Motodrom anstatt in die Abwasserkanäle in den Wald leiten? Die Politiker sollten sich den Zustand der Suhlen, Revier der Frösche, Libellen und Insekten, näher anschauen. Die sind zum Großteil verlandet, es wird immer tiefer gebaggert, das sind keine Suhlen mehr, das sind Baggerlöcher. Kann man die nicht mit Lehm und Ton auskleiden und Frischwasser nachfüllen?

Heute will man am Bannwald studieren, wie sich der Wald ohne Einwirkung von außen verändert. Die wichtigste Erkenntnis wird sein, dass der dichte Bannwald die heißen Sommer der Jahre 2018 und 2019 am besten verkraftet hat. Die Forstverwaltung wollte den Bannwaldanteil von 4,6 Prozent auf 10 Prozent erhöhen, das ist fünf Jahre her. Was ist daraus geworden?

Wir denken, die Grünen müssten den Hardtwald zur Chefsache machen und öffentlich sagen, welche Strategie zur Rettung hier künftig verfolgt werden soll.

Werner und Ingrid Jäkel,

Schwetzingen

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