Leserbrief

Schrankenbuckel Planer müssen endlich umdenken

Die Täuschung

Das war für mich keine Bürgerbeteiligung, sondern eher der Versuch einer Bürgerberuhigung, um die geplante Bebauung möglichst ohne große Änderungen durchzubringen. Die von der Gemeinde bezahlten „Expertenteams“ an den Dialogtischen waren exakt auf das Ziel eingestimmt. Der Landschaftsplaner behauptete sogar, dass große Bäume (zehn Meter) auf den Tiefgaragen stehen könnten, bei 1,5 Meter Erdaufschüttung! Auch Tiefwurzler! Oder die Aussage, das Verkehrsaufkommen werde künftig abnehmen.

Und eine 300 Quadratmeter kleine Fläche, genannt zentraler Quartierplatz, für die 700 bis 900 neuen Bürger, laut Landschaftsplaner sogar mit Spielgeräten drauf. Planer Kuhn sprach von großzügigen Garten- und Freiflächen, hohem Grünflächenanteil, individuell gestalteten Freiräumen. Welch eine Täuschung, wenn man sich das zusammengepresste Vorhaben genauer ansieht.

Die Krönung brachte Bürgermeister Göck schon zu Beginn mit der Aussage, zwei Drittel der jetzigen Fläche am FV-Platz seien schon versiegelt (ist halt seine Interpretation, aber absolut falsch) und vergaß dabei zu erwähnen, dass das neue Gelände Sportpark-Süd fast gänzlich versiegelt wird. Dazu noch mit den Folgen aus dem Mikroplastik der Kunstrasenplätze, denen ein EU-Verbot droht, für die der Sportbund jetzt seine Förderung einstellt und bis 2027 alle bestehenden Kunstrasen entsorgt werden müssen.

Ich bin von der Veranstaltung extrem enttäuscht. Es wird mit den runden Tisch eine bisher nie dagewesene Bürgerbeteiligung geben, mit einer größeren als die schon öfters dagewesenen Täuschung der Bürger und Anwohner. Ich denke, dass auch der Gemeinderat getäuscht wurde, nicht nur wegen der Zurückhaltung von Kenntnissen bezüglich der Berücksichtigung der klimatischen Verhältnisse und des Kaltluftaustauschs. Aber da hätten die Bürgervertreter ja mal selbst drauf kommen können.

Das ist wohl immer so in diesen Gremien. Intelligenz und Sachkompetenz ist da nicht gefragt, eher unerwünscht. Weiß ich doch aus eigener Erfahrung.

Bevor eine folgenschwere Fehlplanung umgesetzt wird, müssen Städteplaner umdenken. Und das tun sie in den meisten Fällen auch. Wären da nicht der gewinngeile Investor und die Gemeinde als Auftraggeber, die einen möglichst hohen Erlös für den Sportpark-Süd erwartet. Unbedingt notwendig sind Luftschneisen, mehr Grünflächen, mehr Bäume, Wasserflächen zur Aufnahme des Niederschlagwassers, Entsiegelungen – und wo es nur geht müssen vorhandene Schottergärten weg. Das wissen auch die Planungsbüros. Wissenschaftler sagen es schon lange, die Medien berichten immer häufiger darüber: die Waldflächen müssen um ein Drittel vermehrt werden. Dann ist eine Erwärmung um 1,5 Grad begrenzbar. Welche Maßnahmen treffen die Kommunen, um dieses Ziel zu erreichen, welche Maßnahmen trifft Brühl? Oder geht es so weiter mit den Baumfällungen, unter anderem an der Baustelle Sportpark-Süd und am FV-Platz Schrankenbuckel?

Da kommt mir die Forderung eines Bürgers „pflanzt da doch lieber einen Wald hin“ nicht so abwegig vor, sondern eher vernünftig. Denn Geldscheine und Kontoauszüge schützen uns kaum vor den Folgen der Klimaveränderungen.

Klaus Triebskorn, Brühl

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