Leserbrief

Zukunft der Zeitung Wer Probleme beim Lesen der gedruckten Ausgabe hat, sollte es mal auf einem Tablet versuchen

Digital ist grad was für Ältere

Auch alte Menschen lesen gerne die Tageszeitung. Mit Beginn des Zeitalters der Aufklärung wurde schrittweise die allgemeine Schulpflicht in Ländern der zivilisierten Welt eingeführt. Am Anfang des vergangenen Jahrhunderts war die heranwachsende junge Generation schon so weit gebildet, dass sie schreiben und lesen konnte. Die noch vom Analphabetismus betroffene alte Generation verschwand.

Durch Lesen wurde die Weltkultur jedem zugänglich und die Schriftkunst hat eine bemerkenswerte Entwicklung genommen. Auch das ästhetische Aussehen der Schrift wurde wichtiger. Bei der Beurteilung einer Bewerbung war das Aussehen von großer Bedeutung. Üblich wurde, die Gestaltung als ein Spiegelbild des Verfassers zu betrachten. Um das zu erreichen, wurde ab dem ersten Schuljahr das Schönschreiben, die Kalligrafie, verpflichtend unterrichtet.

Das Schreiben und Lesen wurde, anfangs mit mäßigem Erfolg, durch die Tonwiedergabe ergänzt. Über Rundfunk wurde Sprache und vor allem Musik zugänglich. Eine stets einsetzende Verbesserung führte dazu, dass gegen Mitte des Jahrhunderts, der schreibende allgemein gebildete Mensch ein wesentlicher Teil der miteinander kommunizierenden Gesellschaft wurde. Nach dem Krieg hat sich alles maßgebend geändert. Die verbesserte Tontechnik, die Reichweite der Rundfunksendungen, transportable Geräte und die sprunghafte Entwicklung des Fernsehens haben die Kulturansprüche des Menschen verändert. Der Informationsfluss durch Schreiben und Lesen, verlor an Bedeutung. Nach Eintreten des Digitalzeitalters ist die Bedeutung der Handschrift fast verschwunden.

Die Suche nach Informationen, durch das Blättern in veralteten und inhaltlich beschränkten Lexika wird durch Suchmaschinen ersetzt. Durch Drücken von Tasten kann man eine unvorstellbare Menge aktueller Kenntnisse erwerben. Anstatt aufmerksam und mit Sorgfalt Buchstaben zu "zeichnen", genügt ein Tastendruck, um Buchstaben, Grafiken und bewegte Bilder in einwandfreier Form auf den Bildschirm zu übertragen. Es genügt schon ein mobiles Taschengerät - Tablet oder Handy. Mit Hilfe dessen erzeugt man Texte und Bilder, die man weltweit versendenden kann.

Das Leben des Bürgers im 21. Jahrhundert ist unterscheidbar davon, was vor dem Weltkrieg noch gültig und anerkannt war. Die Grundkenntnisse des Kulturmenschen, die im Gehirn gespeicherten Datenmengen, das Schreiben - besonders das Handschreiben - verliert immer mehr an Bedeutung.

Merkwürdigerweise ist trotz all dieser Entwicklungen die gedruckte Presse, die Tages- oder Wochenzeitung, weiterhin gefragt und es ist nicht voraussehbar, dass sich das ändern wird. Diese Feststellung erklärt, warum ich diese Sätze schreibe. Ich war und bleibe weiterhin einer, der die Tagespresse liest und diese, trotz der Vielfalt von anderen Medien, bevorzugt.

Durch hohes Alter und die stetige Verschlechterung des Sehvermögens ist aber das Lesen der Zeitung für mich sehr mühselig geworden, die Lesebrille zusammen mit einem Vergrößerungsglas sind wirkungslos. Das veranlasste mich, einen Rat zu befolgen und die Verwendung der Digitalen Zeitung zu versuchen. Der überraschende Erfolg veranlasst mich, das Weitere zu schreiben.

Nach der Besorgung eines Tablets habe ich die Änderung des Zeitungsabos veranlasst und auf weitere Zustellung der gedruckten Zeitung verzichtet. Mit Beantragen des Zuganges stellte ich überraschend fest, dass diese Variante sogar preisgünstiger ist und die Kosten für die Besorgung eines Tablets in absehbarer Zeit abgeschrieben sein werden.

Schon die erste Benutzung brachte eine Überraschung. Zusätzlich zur Möglichkeit, durch Fingerbewegung zu blättern und den Text nach Belieben zu vergrößern, erscheinen die wichtigsten Artikel automatisch in einer sehr vorteilhaften Form. Anstatt die mit Serifen (Linien und Schnörkeln) verzierten Buchstaben, welche unter dem Namen Times News Roman seit den 1930er Jahren des vorigen Jahrhunderts die Presse in der ganzen Welt verwendet, wird die in 1982 für Computer bestimmte serifenlose Grotesk Schrift verwendet. Diese, unter dem Namen Arial bekannte Schrift, ist dadurch, dass sie nur einfache Linien mit gleicher Stärke verwendet, übersichtlicher und wirkt beim Lesen nicht so ermüdend.

Berechtigt stellt sich die Frage, weshalb ich diese Zeilen schreibe? Es ist nicht meine Absicht für etwas zu werben - das überlasse ich anderen, die das besser machen - ich will damit nur Altersgenossen, die auch mit schwächerer Sehkraft Schwierigkeiten haben, aber trotzdem weiterhin gut informiert sein wollen, meine erfolgreiche Erfahrung mitteilen, ohne sie aber zu beeinflussen.

Stefan Miskovits, Schwetzingen

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