Leserbrief

Kosten für Impfstoff In der Entwicklungsphase hatte Biontech nicht die besten Karten – wegen der komplizierten Lagerung

Dreistellige Millionenbeträge der Bürger verschenkt

Deutschland – quo vadis? Ausreichend Impfstoff oder nicht? Was sollen die Bürger von diesem Desaster halten? Die einen sagen, dass genügend Corona-Impfstoff vorhanden sei, während die anderen das Gegenteil behaupten.

Nun kommt noch hinzu, dass mit dem Impfstoff nicht fachgerecht umgegangen worden ist, wie in Bayern, wo die Kühlkette nicht richtig eingehalten wurde.

86-jährige Menschen wohnen am Bodensee und sollen nach Ulm zur Impfung fahren. Termine sind weder per Telefon (Überlastung der Hotline 116 117) noch über die Internetplattform zu erhalten. Im Rhein-Neckar-Kreis sollen 80-Jährige ins Patrick-Henry-Village gekarrt werden zum Impfen. Die Organisation des Transfers wird seit mehr als drei Wochen geplant. Wir sind nicht Master für Innovation, sondern Master of Desaster. Die FDP schreit, dass der Markt das regeln soll. Welcher Markt? Wo wohnt er? Der Markt ist ein virtuelles Konstrukt in der Gedankenwelt des Feudalkapitalismus. Wir alle bilden den Markt.

In Berlin ist zu hören, dass es in den Monaten der Impfstoffentwicklung Phasen gegeben habe, in denen angesichts der Fortschritte der Konkurrenz, aber auch wegen des zu erwartenden Preises und der komplizierten Lagerung des Vakzins bei minus 70 Grad die Verhandlungen mit Biontech überhaupt nur aufrechterhalten werden konnten, weil Deutschland eine Mindestabnahmemenge von 100 Millionen Dosen zugesagt habe.

Regierungssprecher Seibert verwies darauf, dass auch die jetzt vorhandenen Produktionskapazitäten von Biontech nicht zuletzt auf Unterstützung der Bundesregierung in Höhe eines dreistelligen Millionenbetrages zurückzuführen seien. Ein dreistelliger Millionenbetrag? Ist dieser Zuschuss ein verlorener Zuschuss oder wurde er in die Bepreisung eingerechnet?

Was kostet eine Dosis der verschiedenen Coronavirus-Impfstoffe? Auf dem Twitter-Profil einer belgischen EU-Politikerin war das am Donnerstag zu lesen – offenbar ein Fehler. Durch ein Versehen wurden die Preise für eine Impfdosis, trotz Geheimhaltungsklausel, öffentlich bekannt. In der Tabelle ist zu lesen: Der Impfstoff des Mainzer Unternehmens Biontech und seines Partners aus den USA, Pfizer, kostet 12 Euro pro Dosis. Curevac aus Tübingen verlangt zehn Euro pro Spritze. Eine Dosis von Sanofi aus Frankreich kostet 7,56 Euro. Mit 18 Dollar pro Dosis ist der Impfstoff des US-amerikanischen Unternehmens Moderna am teuersten.

Am günstigsten ist dem Screen-shot zufolge der Impfstoff von AstraZeneca. Er kostet 1,78 Euro. Das wirft den Blick auf die finanziellen Aufwendungen für Soloselbstständige aus Handwerk und Kultur, die die Unterstützung auf die Betriebskosten beschränkt – und andererseits verschenkt man das Geld aller Bürger in dreistelliger Millionenhöhe.

Es zeigt sich hier aus meiner Sicht in beklemmender Weise, dass die Verwaltungen von Kreis, Land und Bund überfordert oder unfähig dazu sind, einen sinnvollen, an den Bedürfnissen der Bürger orientierten Handlungsablauf der Impfungen zu gewährleisten.

Für das Post-Coronicum findet sich ausreichend Handlungsmaxime für die grundgesetzlich garantierte Daseinsvorsorge.

Die Wahlen zu den Landtagen in sechs Ländern und die Bundestagswahl im September sollten den Bürgern genügend Macht in die Hand geben, Verbesserungen und damit einhergehende Veränderungen durchzusetzen.

Renate Brandenburg-

Trunschel, Schwetzingen

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