Leserbrief

Diskussion der Grünen Heimat – ein schöner Begriff oder doch ein Ort der Identität? / Für solche Pöbler muss man sich schämen

Dumpf schon – aber nicht deutsch

Am Mittwoch besuchte ich die Veranstaltung der Grünen zum Thema Heimat. Ich erhoffte mir eine konstruktive Diskussion. Der Vorsitzende der Grünen, Robert Habeck, hat 2010 ein vielbeachtetes Buch zum Thema Patriotismus geschrieben. Der Podiumskreis aus Annalena Baerbook, Dr. Blum und Danyal Bayaz versprach eine durch die Vielfalt der Teilnehmer interessante Diskussion.

Was macht Heimat aus? Ist es nur regional zu sehen oder umfasst sie den Bereich der Gültigkeit unseres Grundgesetzes? Durch was wird sie definiert? Was macht Heimat für mich aus? Ist die Heimat unveränderbar mit den dort lebenden oder geborenen Menschen verbunden oder ist sie dynamisch zu sehen? Wir haben neuerdings einen Heimatminister. Welche Aufgaben hat ein Heimatminister? Was soll er bewirken?

Das einführende Podiumsgespräch brachte erste Ansichten der Podiumsteilnehmer. Nun war ich gespannt auf die Fragerunde aus dem Besucherkreis. Aber was musste ich feststellen? Ich hatte den Eindruck, dass Besucher das deutsche Wort „Frage“ nicht verstanden hatten. Anstatt konstruktive Fragen zu stellen, wurden Statements vorgetragen, jenseits von Wahrheit und Tatsachen. Ich musste mir die Frage stellen, lebe ich in Deutschland oder bin ich Fremder im eigenen Land?

Es wurde vorgetragen, dass in Bruchsal mehr kopftuchtragende Frauen zu sehen seien als nicht kopftuchtragende Frauen. Wobei kopftuchtragend mit Muslima gleichgesetzt wurde. Zwei deutsche Studenten, ich nehme an, dass es Deutsche waren, erzählten, dass ein älterer Mann Freudentränen vergossen habe, als sie, die deutschen Studenten, sich im türkischen Viertel in Mannheim zu einem Kneipenbesuch ermutigt fühlten.

Die Tatsache, dass der ältere Mann die Studenten fragen musste, ob sie Deutsche seien, bedingt doch die Frage, wie sehen Deutsche aus? Oder er hat schon lange keine Deutsche mehr gesehen, um sie auf den ersten Blick nicht zu erkennen. Aber da der ältere Mann als Deutscher schon lange im türkischen Viertel in Mannheim lebt, muss es ihm dort gefallen – und er hat vergessen wie deutsche Studenten aussehen.

Ansonsten wurde geschrien, gepöbelt und ein Verhalten an den Tag gelegt, für das sich jeder aufrichtige, seiner Heimat verbundene Mitbürger schämen müsste. Im Grunde genommen erinnerte mich dieses Verhalten an Schilderungen meines Großvaters über SPD-Veranstaltungen zum Ende der Zwanziger Jahre des vergangen Jahrhunderts. Auch damals versuchten Andersdenkende Veranstaltungen, die nicht ihrem Sinn entsprachen, zu stören und schreckten auch vor Gewalt nicht zurück.

Thea Dorn hat ein interessantes Buch zum Thema Heimat geschrieben. Es trägt den Titel: „Deutsch, aber nicht dumpf“. Für die pöbelnden, schreienden, verbohrten, einer Subkultur angehörende Gruppe, die hier im Palais Hirsch auftauchte, könnte der Titel lauten: „Dumpf, aber nicht deutsch“. Werner Goldschalt, Schwetzingen

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