Leserbrief

Profit mit Corona

Ein Glas Wasser in der Wüste

Zum Artikel „Der Maskenmann von Sandhausen“ vom 5. März: Um uns den „Grenzwert“ zu erklären, verwandte der Studienrat im Wirtschaftsgymnasium das Beispiel „Ein Glas Wasser in der Wüste“. Genau dieses fiel mir ein, als ich den Artikel las. Der Jungunternehmer hatte den richtigen Riecher. Das ist gut so in einer Marktwirtschaft, schließlich will und soll der Jungspund richtig verdienen. Er hat so stark gehortet, dass er an Kapazitätsgrenzen stößt. All das, was jetzt verunsicherte Mitmenschen gern erwerben möchten, aber nun mal ausverkauft ist. Das entlockt ihm ein verschmitztes Lächeln, sei’s ihm gegönnt. E-Mails, die ihn beleidigen, sind zu verurteilen. Er tut nichts Kriminelles. 0b es verwerflich ist, das ist eine moralische Frage. Diese müsste auch vielen anderen gestellt werden, die die Gunst der Stunde nutzen und sich übermäßig bereichern.

Grundsätzlich leben wir alle von der sogenannten Differenz zwischen dem, was wir geben müssen, und dem, was wir verlangen können. Ob bei einem Einkaufspreis von 80 Cent und einem Verkaufspreis von 19,99 Euro von einer seriösen Kalkulation ausgegangen werden muss? Wohl kaum. Das sind runde 2500 Prozent.

Wer ihm diesen Preis bezahlt, soll es tun, wenn er meint, dadurch sein Leben besser zu schützen. Indessen verstehe ich nicht, dass Behörden zu diesen Preisen auf unsere Kosten bei ihm kaufen. Wenn Krankenhäuser solches dringend benötigen, um die Gesundheit von uns allen zu sichern, dann darf daran nicht in dieser Weise verdient werden. Da nützt es nichts, wenn sich Timo Klingler gnädigerweise selbst eine Preisobergrenze setzt. Die Notstandsgesetze müssten es erlauben, eine benötige Menge zu requirieren, falls dringend benötigt wird. Ansonsten darf der Spekulant gern stolz sein auf seinen Erfolg, den ich ihm von ganzem Herzen gönne. Aber bewundern? Nein!

Klaus Tremmel, Ketsch

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