Leserbrief

Bildungspolitik Die Schule bleibt ein ewiger Zankapfel

Ein Panoptikum

Welche Schule ist die richtige? Sollen wir in ein anderes Bundesland ziehen, damit unser Kind eine Chance in der Zukunft hat? Ja, sogar das hört man manchmal in Diskussionsrunden betroffener Eltern; wobei dies kein leichtes Unterfangen ist und es sich nicht jede Familie leisten kann.

Das Gleiche gilt für den Nachhilfeunterricht: Für etwa 1,2 Millionen Kinder geben Eltern hierzulande knapp 900 Millionen Euro für Nachhilfeunterricht aus. Ist ausreichende Bildung also doch ein Ungerechtigkeitsproblem – sprich eine Frage des Kontostandes der Eltern? Nicht nur!

Was das Thema Bildung betrifft, so hat Deutschland ein generelles Problem! Unser „Elend“ ist nicht nur die teilweise marode Bausubstanz der Schulgebäude in Teilen unserer Republik, sondern die zunehmend fehlende Zuverlässigkeit in unseren „Bildungsanstalten“ generell.

Dass beispielsweise die Betroffenen – also Lehrer, Eltern und natürlich vor allem die Schüler*innen (die letzte beißen die Hunde) seit 1996 – ähnlich der Laborratten – als bildungspolitische Versuchskaninchen herhalten müssen.

Nicht zuletzt wegen zunehmend massiver Probleme mit der Rechtschreibung, kam unser Land 1996 in den Genuss einer Rechtschreibreform, die 2004 und 2006 sowie 2011 als auch 2017 nachgebessert beziehungsweise aktualisiert worden ist. In der allerersten Variante sollte meines Wissens das Wort Pizza nur noch mit einem „z“ geschrieben werden. Offensichtlich war die Reformgruppe dann mal zwischenzeitlich beim Italiener essen und korrigierte diesen Unfug.

Was das Ganze angerichtet hat, wissen all jene, die noch mit offenen Augen durch die Pampa unserer Republik stapfen: Die Rechtschreibung hat sich nicht wirklich verbessert! Und das liegt nicht nur daran, dass sich die „Logik“ mancher Schreibweisen nicht jedem sofort erschließt.

Was machen andere Länder? In Finnland, dem Sieger der Pisastudie, sind pro Klasse mit maximal 22 Kindern immer zwei Lehrer in der Unterrichtsstunde anwesend. Hierzulande ist man froh, wenn der Unterricht nicht längere Zeit mangels Lehrkraft ausfällt.

Und während chinesische Schulen bald umfassend digitalisiert werden oder schon digitalisiert sind, bekommen deutsche Schulen Toiletten für das dritte Geschlecht.

Übrigens: Wenn unsere Schulen irgendwann endlich einen Computerraum mit dem nötigen Inventar haben, dann ist noch lange nicht alles „paletti“. Damit die digitalen Kisten dann auch laufen, bedarf es IT-Spezialisten oder Systemadministratoren, welche nicht grad auf Bäumen wachsen und deren Kosten meines Wissens zu Lasten der Gemeinden als Schulträger gehen.

Dass Schüler diesen Mangel – wie bisher oft schon geschehen – auch künftig mit ihrem Eigentum (Laptop) ausbügeln, darauf würde ich nicht wetten.

Denn wegen der Alleskönner Smart- und I-Phone sehen viele keinen Sinn darin, sich auch noch ein Notebook zuzulegen, außerdem schweben die Alleskönner in Preiskategorien, dass für Notebook, Drucker und ähnliche Dinge oftmals das nötige Kleingeld fehlt.

Nur wird in Abschlussprüfungen dieses „Neuland“ (O-Ton Merkel), also das digitale Wissen abgefragt! Excel oder Powerpiont ist jedoch nicht unbedingt das, für was das Smartphone konzipiert wurde.

Fazit: Die Betroffenen fühlen sich zurecht von der Politik allein gelassen, denn was das Thema Bildung angeht, ist unser Land das reinste Panoptikum.

Herbert Semsch, Brühl

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