Leserbrief

Naher Osten Vor hundert Jahren fanden sich in San Remo die Alliierten des Ersten Weltkriegs zusammen, um die Briten zu beauftragen, den Staat Israel vorzubereiten

Ein stiefmütterlicher Vertrag, der bis heute gilt

Der weit verbreitete Mythos lautet, dass Israel gestohlenes Land besetzt hält. Diese Meinung wird durch einen wenig bekannten Vertrag zunichtegemacht, der am vorletzten Wochenende vor genau 100 Jahren unterzeichnet wurde. Und diesen Vertrag ignorieren unsere Politiker und die Medien aus meiner Sicht komplett.

Charles Gardner, ein in England lebender Jude, hielt fest: Am 26. April 1920 einigten sich die alliierten Sieger des Ersten Weltkrieges im Kurort San Remo an der italienischen Riviera auf ein Dokument, das die Schaffung einer nationalen Heimstätte für das jüdische Volk enthielt. Damit bekam die Balfour-Erklärung von 1917 Rechtsstatus, in der die britische Regierung versprochen hatte, zu dem Zweck alles in ihrer Macht Stehende zu tun. Israel – weltweit verfolgt – sollte das damalige Palästina erhalten, die ehemalige Heimat.

Kurz darauf setzte die Einnahme Jerusalems dem 400 Jahre alten Osmanischen Reich ein Ende und öffnete die Tür für die Umsetzung dieses Vertrages der Alliierten. Und da er nie außer Kraft gesetzt wurde, hat er rechtlich bis heute Bestand.

An der Konferenz in San Remo nahmen die vier wichtigsten Mächte der Kriegszeit teil, vertreten durch die Premierminister Großbritanniens, Frankreichs und Italiens sowie durch den japanischen Botschafter Keishiro Matsui, wobei die USA Beobachterstatus hatten. Ihr Zweck war es, über die Zukunft des Nahen Ostens nach dem Zerfall des muslimischen Reiches zu entscheiden. Libanon, Syrien, Mesopotamien (Irak) und das Gebiet Palästina waren die in Frage kommenden Regionen. Großbritannien erhielt das Mandat für Palästina – mit dem Auftrag, das Gebiet aufgrund der über 3000 Jahre langen historischen Verbindungen für einen jüdischen Staat vorzubereiten.

Das Abkommen wurde 1922 vom Rat des Völkerbunds bestätigt, dem Vorgänger der UNO, wobei alle 51 Mitglieder dafür stimmten. Die fragliche Grenze wurde definiert als das gesamte Palästina westlich des Jordans, einschließlich des späteren Westjordanlands. Letzteres entstand 1949 nach der illegalen jordanischen Annexion von Judäa, Samaria und Ost-Jerusalem. Die Gebiete wurden 1967 von Israel zurückerobert und gelten seither als umstritten. Es sind Gebiete, die nach dem San-Remo-Vertrag eindeutig zu Israel gehören. Wäre es nicht an der Zeit, dass unsere Politiker ihre Geschichte auffrischen, meint Gardner. Schließlich könne ein Staat ein Gebiet, das ihm ursprünglich gehörte, nicht „illegal besetzen“!

Israel ist also völkerrechtlich gegründet worden, basierend auf einem Versprechen, das ursprünglich vom britischen Außenminister Lord Balfour gegeben worden war.

Legitimiert war es zudem von Gottes Wort, nämlich dass das Land den Söhnen Abrahams als ewiger Besitz gegeben wurde (1. Mose 15,18ff; 17,8 und 22,17ff). Weitere Schlüsselfaktoren waren die wiederholten Pogrome und die Verfolgung der Juden, die auch Theodor Herzl dazu veranlasst hatten, die Anfänge der Wiederansiedlung durch die zionistische Bewegung voranzutreiben.

Im vergangenen Jahr erkannte der damalige Außenminister Jeremy Hunt die schockierende Rolle Großbritanniens an, die den Zugang nach Israel für Juden verweigert hatten, die vor dem Holocaust fliehen wollten. 1947 beendeten dann die Briten die Verwaltung ihres Mandats. Der Staat Israel wurde von der erforderlichen Zweidrittelmehrheit in der UNO anerkannt, wobei sich Großbritannien der Stimme enthielt – und in der Folge sein Reich verlor!

Alle können heute vom jüdischen Volk profitieren. Auch Araber, die unter Juden leben, geben verschiedenen Umfragen zufolge zu, dass sie in Bezug auf Arbeitsplätze, Bezahlung und Lebensbedingungen besser dran seien als jene unter der Herrschaft der palästinensischen Autonomiebehörde. Und wir alle profitieren von Israels medizinischer und technologischer Expertise, wie Prinz Charles bei seinem jüngsten Besuch anerkannt hat.

Im Gegensatz zu weiten Teilen Europas war San Remo und die umliegende Region ein Leuchtturm der Hoffnung und des Neuanfangs für das jüdische Volk: Vom nahe gelegenen Hafen La Spezia aus stach das erste Schiff mit Holocaust-Überlebenden nach dem Krieg nach Israel in See. Vergangenes Wochenende war in San Remo eine Konferenz zur Hundertjahrfeier geplant, die nun aber nicht stattfinden konnte. Online kann unter www.revelationtv.com eine einstündige Sondersendung zum Thema aufgerufen werden. Nach dem HolocaustGedenktag feierte Israel am vergangenen Mittwoch seinen 72. Unabhängigkeitstag.

Dora Weimer, Hockenheim

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