Leserbrief

GRN-Klinik Mit Personal wird zu hart ins Gericht gegangen

Einblicke in die Arbeit auf einer Station

Ich hätte dieses Krankenpflegepraktikum für das Medizinstudium im Schwetzinger Krankenhaus abschließen und bei Semesterbeginn in die Uni zurückkehren können, ohne auf die Kritik an der Station C4 einzugehen, eben einfach alles vergessen können. Aber nach fast neun Wochen auf dieser Station, nachdem ich jede Schwester, jeden Pfleger und Schüler kennengelernt und mit ihnen gearbeitet habe, kann ich das einfach nicht mehr. Ich spiele auf den Kritikbrief vom 27. September ("Habe die Brühe von daheim mitgebracht") an, der meiner Meinung nach zu hart mit dem Personal ins Gericht ging.

Auch wenn der Vorfall jetzt schon eine Weile zurückliegt, verliert er trotzdem nicht an Aktualität, vor allem bezogen auf die negative Grundeinstellung darin gegenüber der Station und der Belegschaft. Ich kann den Unmut und Ärger gut nachvollziehen. Ich stelle mir manchmal vor, wie ich meine Angehörigen und Freunde oder auch mich selbst im Krankenhaus versorgt wissen will. Es war ein unglücklicher Vorfall, auch wenn, wie die Krankenhausleitung richtig klargestellt hat, der Patient ansonsten adäquat versorgt wurde.

Trotzdem wirft dieser Zwischenfall ein ungerechtfertigt schlechtes Licht auf die Arbeit und das stetige Bemühen der Pflegerinnen und Pfleger - rund um die Uhr. Trotz der vielen Arbeit in Pflege, Medikamentengabe, Verwaltung und Dokumentation, die neben der Psyche auch körperlich eine Belastung darstellt, haben sie ein offenes Ohr für Fragen und erteilen Auskünfte. Könnte man das alles als Patient oder Angehöriger sehen, es gäbe mehr Verständnis, wenn es einmal nicht perfekt laufen kann.

Das Ganze soll eigentlich kein Loblied auf Gesundheits- und Krankenpflege darstellen, ich schreibe diesen Brief auch von mir aus, ohne Wissen der Pfleger und Schwestern. Aber als ich den Kritikbrief gelesen habe und mit dem abgeglichen habe, was ich dort alles erleben konnte und durfte, auch an die zu diesem Zeitpunkt diensthabenden Schwestern denkend, hat sich mir fast der Magen rumgedreht. Das Personal leistet einfach gute Arbeit. Der Vergleich mit der Versorgungssituation von "Entwicklungsländern" war, wie ich finde, nicht nur geschmacklos, sondern absurd, angesichts der wirklich dramatischen Zu- und Missstände dort. Das sollte einmal gesagt worden sein.

Marc Hemmerich, Brühl

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