Leserbrief

Servicewüste Ärger über die Geschäftsgebaren der Commerzbank

Eine Bank ohne Bargeld

Lesen Sie meinen Brief an die Commerzbank: Am sonnigen Montagmorgen betrat ich entspannt Ihre Filiale in Schwetzingen. Mein Ziel: meine Prepaid-Kreditkarte zu kündigen, weil ich die Jahresgebühr von 39,90 Euro in diesen modernen Zeiten der berührungslosen Kommunikation als zu teuer empfinde.

Also bin ich mit meinem Vorhaben zu dem einzigen besetzten Schalter gegangen. Die freundliche Dame wies darauf hin, dass sie als Niederlassung selbstverständlich keinerlei Kompetenzen in Sachen Vertragskündigung meiner Kreditkarte habe, da dies an einem zentralen Ort in Deutschland gemacht werde. Aber sie könne sich darum kümmern.

An mein auf dem Kartenkonto zwangsweise vorhandenes Guthaben käme sie auch nicht heran, als dass ich dieses in bar mitnehmen könnte. Aber sie könne es erreichen, dass das Guthaben auf mein Girokonto der Commerzbank übertragen werde. Worauf ich mich fragte, was sie denn sonst damit hätte machen wollen?

Da ich gerade in der Stadt einkaufen war, hatte ich aber eigentlich schon etwas Bargeld mitnehmen wollen. Also bat ich die Frau, mir zu helfen, an Bargeld zu kommen. Denn ich hätte zwar die Bankkarte meines ebenfalls bei der Commerzbank bestehenden Girokontos dabei, konnte mich aber im Augenblick nicht sicher an die Pin-Nummer erinnern. Klar, meinte sie, gerne könnte sie mir dergestalt behilflich sein, als dass sie mir eine neue Pin-Nummer zustellen lasse. Da kamen mir zum ersten Mal berechtigte Zweifel, ob diese Frau eigentlich verstanden hatte, was ich wollte: Bares!

Also vermittelte ich ihr noch einmal in sommerlicher Ausgeglichenheit, dass ich jetzt direkt Geld mitnehmen wolle – cash. Sie werde doch eine Möglichkeit haben – als Bankfiliale – mir zu meinem bei dieser Bank liegenden Bargeld zu kommen. Vielleicht mittels einer vorübergehenden Abhebekarte, wie ich es aus anderen Banken kenne. Klar, meinte sie erleichtert, das ließe sich machen, sie würde mir so eine Karte gerne auf die Schnelle ausstellen. Erst in einem Nachsatz meinte sie dann: „Allerdings können Sie mit dieser Übergangskarte auch erst ab morgen Geld aus dem Automaten abheben.“

Ich vergewisserte mich noch einmal: „Ich stehe hier mit meiner Bankkarte und meinem Personalausweis persönlich vor Ihnen. Ich habe ein Konto mit Guthaben bei Ihnen und Sie sehen keine Möglichkeit, mir Bargeld mitzugeben?“ Das wurde mir bestätigt. Sie hätten als kleine „Ohne-Geld-Filiale“ keine Möglichkeit, mir zu meinem Geld zu verhelfen. So eine Frechheit ist mir noch nie passiert. Sie werden verstehen, dass ich in diesem Sinn zukünftig besonderes Augenmerk darauf legen werde, dieses mysteriöse Mic-Mac-Verhalten in meinem Bekanntenkreis zu kommunizieren.

Dann noch ein Wort zum Online-Formular, auf dem man sich bei Ihnen beschweren soll: Sie müssen mir einmal erklären, wie man einen Brief schreiben soll, ohne Apostrophe, Klammern, Anführungszeichen, Rufzeichen und Währungszeichen verwenden zu dürfen. Es sei denn, das ist als reine Schikane gedacht, damit Menschen wie ich, die sich beschweren wollen, daran gehindert werden sollen

Trotzdem mich das Ausfüllen dieses unglaublich bescheuerten Kontaktformulars – bei jedem Buchstaben, den man abändern will, hüpft es aus dem Blickfeld – über eine Stunde und der permanent gesteigerte Zorn mich Lebensjahre gekostet hat, können Sie sich ja bestimmt vorstellen, dass meine zukünftige Beurteilung Ihres Geldinstitutes in ekstatische Höhen getrieben wurde. Zumal das Formular dann trotzdem nicht abgeschickt werden konnte.

Selten in meinem Leben – inklusive meiner 25 Jahre als CEO eines Unternehmens – habe ich mich derart über ein Unternehmen geärgert.

Heinz Küppers, Schwetzingen

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