Leserbrief

Gesellschaft Mitfühlen und helfen, wo man kann

Empathie fällt vielen schwer

Schön, dass es Menschen gibt, die in vielen Dingen so denken wie ich und sagen: „Frau Rempp, Sie sprechen uns aus der Seele.“ Manche sind so mutig und schreiben einen Leserbrief. Gerade in unserer Zeit halte ich es für sehr wichtig, seine eigene Meinung zu äußern und sich eindeutig zu positionieren. Das viele „Wischi-Waschi“ in unserer Gesellschaft, das sich nicht klar und deutlich ausdrücken wollen zu bestimmten Themen, das tut keinem gut. Ich gebe Frau Pfaff recht und teile ihre Meinung, wenn sie schreibt, dass „ein bisschen Empathie sicherlich vielen Mitbürgern helfen würde“. Es ist aber leider so, dass es heute immer noch zu viele Menschen gibt, die gar nicht wissen, was Empathie bedeutet. Klar kennt jeder das Wort „Sympathie“ und seine Bedeutung, aber bei „Empathie“ tun sich einige schwer.

Was also bedeutet das Wort, das aus dem Griechischen kommt? Es definiert, die Fähigkeit, sich in andere Menschen hineinzuversetzen, zu versuchen, die Gedanken, Empfindungen, Gefühle des anderen zu erkennen und zu verstehen – ja sogar nachzuempfinden.

Für mich ist dies etwas Normales. Ich versuche mich meistens in die Lage des anderen zu versetzen. Andere scheinen sich damit schwer zu tun. Warum, weiß ich nicht. Es gibt verschiedene Arten der Empathie. Der amerikanische Anthropologe und Psychologe Paul Ekman erklärt es laut Wikipedia so: „Kognitive Empathie lässt uns erkennen, was ein anderer fühlt. Emotionale Empathie lässt uns fühlen, was der andere fühlt und das Mitleiden bringt uns dazu, dass wir dem anderen helfen wollen. Die soziale Empathie bezeichnet die Fähigkeit, schwierige soziale Situationen und Systeme mit Menschen unterschiedlicher Kulturen, Charaktereigenschaften und Werthaltungen zu verstehen, um mit ihnen konstruktiv kommunizieren zu können.“

Spätestens hier hapert es leider bei vielen Menschen in unserer Gesellschaft. In einer Gesellschaft, in der es viel zu häufig vorkommt, dass die Menschen in erster Linie an sich und ihr Schicksal denken. Viele sind so sehr mit sich beschäftigt, dass sie gar nicht auf den Gedanken kommen, an den „schwächeren, älteren, kranken“ Nachbarn zu denken. Das finde ich sehr traurig und dem versuche ich entgegenzusteuern.

Vor allem in den sozialen Netzwerken. In Facebook gibt es die Seite „Schwetzingen“, auf der sich mehrere Tausend Nutzer tummeln. Ich hatte dort vor einiger Zeit meine Suche nach einer barrierefreien Wohnung für einen jungen Syrer und seine Familie eingestellt. Diese wurde von den Administratoren nicht veröffentlicht. Sie sind wohl der Meinung, jeder sollte nur für sich selbst inserieren. Den Administratoren wünsche ich mehr Empathie.

Raquel Rempp, Schwetzingen

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